Möchte Ihre Tochter in meiner Zahnarztpraxis arbeiten?

Die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe fragt mittels einer Plakatkampagne Eltern nach dem Berufswunsch ihrer Tochter, um für die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten zu werben – und vergisst dabei, dass dieser Beruf nicht nur für Töchter in Frage kommt.

Werbeanzeige zur Ausbildung von ZMAs

Dieses Fundstück kam via Facebook zu uns und ist ein schlagkräftiger Beweis für die Vielschichtigkeit von Rollenzuschreibungen. Zunächst einmal sind die Zeiten glücklicherweise überwunden, in denen die Eltern den Berufsweg ihrer Kinder auswählen. Warum also wird in der Plakatkampagne nicht direkt die Zielgruppe angesprochen, sondern der Umweg über die Eltern gemacht? Wird hier etwa unterstellt, dass den Töchtern bei der Berufsauswahl und -information zwangsläufig unter die Arme gegriffen werden muss?

Vor allem scheint die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe vergessen zu haben, dass nicht nur Töchter Zahnmedizinische Fachangestellte werden möchten. Indirekt wird damit das Klischee reproduziert, dass Söhne im Zahnarztberuf womöglich besser aufgehoben sind als im Beruf des Zahnmedizinischen Fachangestellten…

Solche Werbekampagnen tragen erheblich dazu bei, dass es nach wie vor frauen- bzw. männerdominierte Berufsfelder gibt und dass das Stereotyp der “Frauenberufe” (in der Regel aus der Dienstleistungsbranche) weiterverbreitet wird. Es braucht viel Mut, sich als Zugehörige*r eines nicht-angesprochenes Geschlechts auf eine solche Anzeige zu bewerben, die sich eindeutig nur an junge Frauen bzw. deren Eltern richtet.

(sh)

Wink mit dem Goldenen Zaunpfahl an: Zahnärztliche Körperschaften Westfalen-Lippe

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