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WAHL UND PREISVERLEIHUNG

Der Goldene Zaunpfahl 2022

Pfahlspitze-Deko

6 JAHRE GOLDENER ZAUNPFAHL

Der Goldene Zaunpfahl Award geht 2022 an die App “Bibi und Tina: Reiterferien“

Mehr als 200 Produkte und Werbeanzeigen - sieben schreckliche Favoriten - ein Award

Bei der öffentlichen Awardverleihung im Kabarett-Theater DISTEL haben mehr als 150 Menschen während des abwechslungsreichen und anregenden Programmes gespannt der Entscheidung der Jury entgegengefiebert. Am Ende eines großartigen Abends stand fest: Der goldene Zaunpfahl Award geht dieses Jahr an das Online-Spiel “Bibi und Tina: Reiterferien“ der Blue Ocean Entertainment AG.

verleihung2022

In der Laudatio begründen die Schülerinnen und Schüler der IGS Zetel die Wahl: “Wir sind jung und neugierig. Man darf uns etwas mehr Eigenverantwortung bei der Gestaltung und Auswahl unserer Avatare zutrauen. Warum kann man nicht seinen Charakter frei gestalten und so im Spiel auch Stereotype und Rollenklischees ganz einfach selbst umwandeln, wenn es die Erwachsenenwelt schon nicht schafft. Wir wünschen uns, dass das Unternehmen geschlechtersensibel agiert und unsere Erfahrungen auf dem Schulhof immer im Hinterkopf hat, wenn es über ‚Zielgruppen‘ nachdenkt.”

Herzlichen Glückwunsch Blue Ocean Entertainment AG zum diesjährigen Gewinnerbeitrag “Bibi und Tina: Reiterferien“!

“Kindern die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeiten zu ermöglichen, dieses Versprechen aus Grundgesetz Artikel 2 können wir nur gemeinsam umsetzen”, sagt Almut Schnerring, Initiatorin des Preises. In diesem Sinne: Meldet euch bei uns Blue Ocean Entertainment AG – wir freuen uns auf einen Austausch. Der Award ist dieses Jahr zum ersten Mal dotiert, der austragende Verein klische*esc e.V. bietet dem Gewinnerunternehmen einen Workshop / Beratung an: Der Paygap beginnt im Kinderzimmer. Wie Gendermarketing den Fachkräftemangel verstärkt

Programm-Highlights
bei der Verleihung

Musikalisches Rahmenprogramm: Bernadette La Hengst

Musikerin und Theatermacherin
#solidaritätistdiezärtlichkeitallergeschlechter
#rockerbrautundmutter
#frauenquotebeifestivals

Seitdem ich in den 80ern angefangen habe, Musik zu machen, war ich immer eine der wenigen Musikerinnen in einer extrem männlich dominierten Musikszene.

Immer wieder wurde uns die Frage gestellt: „Wie ist denn das so als Frauenband?“ Diese Frage wurde umgekehrt niemals einer Männerband gestellt.

Das hat sich mittlerweile etwas geändert. Trotzdem ist der Anteil von Musikerinnen auf den Bühnen der großen Festivals verschwindend gering. Das ist tatsächlich ein Skandal. Das Argument, daß es keine guten Musikerinnen gibt, zählt natürlich nicht. Denn es gibt sie, und sie müssen auf die Bühnen, damit sie anderen Musikerinnen Role Models sein können!

Comedian zieht Gendermarketing durch den Kakao: Florian Hacke

Schauspieler und Kabarettist

#equalcare
#livekulturlebt

Nach Schauspieldiplom und acht Jahren Bühnenerfahrung ging Florian Hacke 2016 und 2018 für seine beiden Kinder jeweils langfristig in Elternzeit und schrieb seinen ersten Stand-Up-Comedy-Abend „Hasenkind du stinkst“. Sein Tenor: Noch nie war so viel sagbar wie heute. Aber die Welt ist mittlerweile einfach zu komplex für den behäbigen Altherrenhumor von Vorgestern.

Daher arbeitet er sich auf der Bühne auch am Sexismus und den stereotypen Geschlechterrollen ab, die seinen Kindern täglich begegnen: „Ich wollte für meine Tochter ein Puzzle kaufen. Die Auswahl war groß, aber es gab ein Problem. Ritter mit Burg und Drache: Alles nur Jungs auf dem Bild. Naja, kann ja mal. Beim Rettungseinsatz: Ein Arzt, ein Polizist, ein Feuerwehrmann. alles Jungs. Im Flugzeug: In reihe drei ein Mädchen mit rosa Schleife, aber fliegen? Tun die Jungs.

Für Mädchen gibt es auch Puzzle: Conni verzichtet auf Kohlenhydrate.“

Almut Schnerring und Sascha Verlan: „Guten Abend Rote, guten Abend Blaue!“

Initiator*innen des Goldenen Zaunpfahls
#RosaHellblauFalle
#EqualCare
#Wahlfreiheit

Seit wir den Alltag auch durch die Augen unserer drei Kinder sehen, lässt uns die Rosa-Hellblau-Falle nicht mehr los. Schnell mussten wir als Eltern lernen, dass das eigene Verhalten und Vorleben nur bedingt Freiräume schaffen kann, solange sich nicht auch die gesellschaftlichen Verhältnisse, der gesetzliche und wirtschaftliche Rahmen mit verändern. Der Titel unseres Buches ‚Die Rosa-Hellblau-Falle®‘, ist Vielen Synonym geworden für die unbewussten, geschlechtlichen Zuschreibungen, und wir freuen uns, dass sich unter dem Hashtag inzwischen viele Gleichgesinnte begegnen, von ihren Erlebnissen berichten und uns absurde Beispiele schicken. So ist 2017 den Goldene Zaunpfahl-Award entstanden. Als Journalist*innen-, Autor*innen und Trainer*innen sind wir immer auf der Suche nach Wegen, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse so verpacken lassen, dass Menschen gerne mehr darüber wissen wollen. Am Ende kann das ein Vortrag oder ein Workshop sein, ein Buch oder warum nicht auch eine Preisverleihung 🙂 Der perfekte Rahmen, um auf unterhaltsame Weise über ein wichtiges Thema zu informieren. Unbewusste Verhaltens- und Wahrnehmungsmuster und die Folgen der binären Zweiteilung der Warenwelt sind Thema unseres Inputs am 21.11.

Dr. Arn Sauer: „Was ist an stereotypen Geschlechterrollen eigentlich so schlimm?“

#EsIstZeit
#gleichstellung
#BSGleich

Dr. Arn Sauer ist Ko-Direktor bei der Bundesstiftung Gleichstellung #BSGleich, Vorstandsmitglied beim Bundesverband Trans* e. V., und war lange Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter für Gender Mainstreaming im Umweltbundesamt.

Boris von Heesen: “Wer zahlt eigentlich für Gendermarketing“

#KritischeMännlichkeit
#Geschlechtgerechtigkeit
#WasMännerkosten

Boris von Heesen ist geschäftsführender Vorstand eines Jugendhilfeträgers, Männerberater, und setzt sich als Autor und Referenz mit dem Thema #KritischeMännlichkeit auseinander. Sein neues Buch „Was Männer kosten: Der hohe Preis des Patriarchats“ (#WasMännerKosten) gießt die wirtschaftlichen und sozialen Folgen toxischer Männlichkeit eindrucksvoll in Zahlen.

Pia Ihedioha: „Representation matters“

#Empowerment
#Repräsentation
#magazinofcolor

Pia Ihedioha ist Gründerin der rassismuskritischen Plattform Of Color, einer Plattform, die der Repräsentation und Empowerment von Bi_PoC dienen soll und das in unterschiedlichen Ausdrucksformen. Neben Studium und of Color ist sie als politische Bildnerin zu Themen der Rassismuskritik und Empowerment tätig.

Insa Thiele-Eich: „Moon goes diversity?“

#Klimaschutz
#Gleichberechtigung
#FaszinationWeltall

Insa ist Klimaforscherin, angehende #Astronautin, „Mamaaaaaaaaaaa!!!!“, engagiert in der Kommunalpolitik, und – ganz wichtig: Müde. 😴

Die Unrühmlichen 7​

Die Spannung steigt, der Countdown läuft. In weniger als einem Monat küren wir ein Unternehmen für besonders absurdes Gendermarketing mit dem Goldenen Zaunpfahl Award. Eine SneakPeak, wer es bis zum Finale geschafft hat, gibt es schon jetzt, denn: die “unrühmlichen Sieben” stehen fest!

Das Bild zeigt ein Plakat an einer U-Bahn-Station, auf dem drei männliche Fußballspieler zu sehen sind. Dazu der Text: "Mittwoch: Pony-Party deiner Tochter mit dir als Pony. Freu dich auf Samstag!" Und darunter weiter: "Sportschau, Bundesliga, Samstags 18:00 Uhr, Das Erste".

Sportschau-Werbeplakat der ARD -
Fußballtochter oder Pferdesohn?!

Bundesliga statt Mädchenkram: Die ARD Sportschau findet die Pony-Party der Tochter eine Zumutung und vertröstet echte Fußball-Kerle auf Samstag.
Zum Beitrag

„Der Anteil weiblicher Besucherinnen in Fußballstadien beträgt mittlerweile 30%. Mädchen- und Frauenfußball holt weltweit auf, gewinnt an Profil und das mediale Interesse steigt enorm. Und dann kommt die Sportschau und produziert eine platte Werbekampagne, die Mädchen die Ponys und Vätern die Sportschau zuweist.

So werden geschlechtliche Rollenbilder vollkommen unnötig verfestigt und gleichzeitig vergeben die ARD und ihre Werbeagentur eine große Chance. Nämlich Mädchen und Frauen auf intelligente Art und Weise für ihre reichweitenstärkste Sportsendung zu begeistern.“

Boris von Heesen

Screenshot von der Website mit dem Text in lila Schrift: “Versichere noch heute deine Mutterliebe Finde mit ANNA den besten Tarif” Darunter ein Button in pink “Jetzt Angebot erhalten”

ANNA Risikolebensversicherungen und Sterbegeldversicherungen -
Mutterliebe allein reicht nicht, die muss auch versichert sein

„Versichern Sie Ihre Mutterliebe.“ Mit der Anna Sterbeversichtung bleibt die Kümmer-Arbeit selbst im Tod noch an Mutti hängen. Bloß keine Scherereien machen, oder gar Kosten verursachen! Denn der Job endet nie.
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„Unser Gesellschaftssystem schiebt Frauen immer noch die Hauptaufgaben in Familie, Haushalt und Pflege von Angehörigen zu. Als Dank dafür erhalten Frauen im Durchschnitt nur knapp die Hälfte der Alterseinkünfte der Männer. Und dann tritt das Versicherungsunternehmen Anna mit seiner unsäglichen „Sterbeversicherung nur für Mütter“ auf den Plan.

Die Absicherung für die Kinder soll dann bitte auch noch von den Müttern abgeschlossen und bezahlt werden. Mit Emotionalisierung der plattesten Art wird versucht, Müttern ein schlechtes Gewissen zu machen. Die Mutterliebe solle auch über den Tod hinauswirken, und da ist eine Sterbeversicherung – zur Abdeckung der Kosten einer  Bestattung – genau das Richtige. Es ist schwer auszuhalten, wie sich das Unternehmen überholter Rollenzuschreibungen bedient, um den eigenen Profit zu steigern. Bei diesem Geschäftsmodell scheinen die Väter und ihre Verantwortung eher zu stören.“

Boris von Heesen

Screenshot des Instagram Post des Accounts tetesept_baby. Abgebildet ist ein schlafender Papa liegt mit schlafendem Kind im Bett. Beschriftung der Szene: “Seitdem das Baby da ist, teilen meine Frau und ich uns die Aufgaben. Sie stillt, weil ich das nicht kann, ich schlafe, weil sie das nicht kann … #TEAMWORKBABY”. Bildbeschriftung durch tetesept_baby: “Na, wie sieht denn bei euch die Aufgabenverteilung aus?” Zwinker Zwinker.

Tetesept -
“Wohlfühlprodukte” voller Klischees der 50er Jahre

Tetesept Baby schenkt schlechte Witze zur Geburt. Er nimmt ihr ab, was sie am nötigsten bräuchte: Schlaf. Das Konzept ‘Equal Care’ wurde dort noch nicht ganz durchblickt.
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„Babys brauchen Geborgenheit, keine biologistischen Klischees! Nicht alle Mütter können oder wollen stillen, aber alle Väter können Flaschennahrung zubereiten und ihr Baby füttern (wenn es nicht gestillt wird). Tetesept beleidigt mit diesem unbilligen Witz alle Väter, die sich für gleichberechtigte Elternschaft einsetzen, und alle Familien, deren Babys als „Flaschenkinder“ groß werden.

So unwitzig das ist: Mütter erledigen immer noch einen Großteil der Sorgearbeit. Die tatsächliche Gleichberechtigung von Männern und Frauen funktioniert ohne billige Witze und biologistische Klischees.“

Arn Sauer

Screenshot aus einem Bibi & Tina Tabletspiel: Der Hintergrund zeigt eine Reiterhof-Szenerie, im Vordergrund stehen zwei gezeichnete Charaktere. Rechts ist Bibi Blocksberg aus “Bibi und Tina”, links der Spieleravatar, ein weiblich gelesener Charakter mit langem braunen Pferdeschwanz, schwarzem Cappy, lila Ringel-T-Shirt und blauer Reithose. Darüber ist eine Sprechblase, die mit dem Namen “Jonas” markiert ist und auf den Spielercharakter zeigt.

Blue Ocean Entertainment AG -
Bibi und Tina und die Pferdemädchen. Eine Welt ohne Jungen

Auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück dieser Erde. Aber nur für Mädchen, denn Jungs sind nicht vorgesehen in der Bibi&Tina-Reiterferien-App.
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„Eigentlich könnte man meinen, für das Spielgeschehen bei „Bibi und Tina“ selbst ist es völlig egal, ob die Figur männlich oder weiblich ist. Wenn Mensch Pferde mag, mag Mensch Pferde und all das Hufekratzen, Gestriegel und Geschniegel, was dazu gehört.

Völlig unnötig, diese Präferenz in ein rosa Gewand zu hüllen und allein für Mädchen zu reservieren. Die Festlegung des Herstellers, allein weiblich gelesene Spielfiguren anzubieten, legt auch die Genderperformance auf eine bestimmte Verhaltenserwartung fest. Mädchen – und nur Mädchen – mögen Pferde und schauen Bibi und Tina. Und alle haben lange Haare. Das ist absurd: Das Spiel gibt keinen Raum für eine Genderperformance, die von der heteronormativen Rosa-Blau-Kodierung abweicht. Was ist mit dem kleinen Anton, der Bibi und Tina-Fan ist und sich in der virtuellen Welt seiner Leidenschaft hingeben möchte?

Traut das Unternehmen seinen jungen User*innen nicht etwas mehr ästhetische  Eigenverantwortung in der Auswahl und Gestaltung der Spielfiguren zu? Warum kann man nicht seinen Charakter frei gestalten und so im Spiel auch Stereotype und Rollenklischees ganz einfach selbst umwandeln? Die Erklärung des Herstellers „Jungen seien keine Zielgruppe“ empört uns. Kinder und Jugendliche sind und sollten immer Zielgruppe sein.“

IGS Friesland Süd

eine schwangere Person steht mit einer Malerrolle vor einer blauen Wand. Auf der Wand ist ein Superhelden-Poster angebracht. Die Person übermalt die blaue Farbe und das Poster mit einer hellrosa Farbe. Dabei beißt die Person von einem Brot ab. Links neben der malenden Person steht ein Kind, welches die Szene beobachtet

Rügenwalder Mühle -
Vegane Kinderzimmer-Klischees vom Feinsten

Es wird ein Mädchen – Schluss mit Blau! Rügenwalder Mühle überrollt Dinos und Superhelden mit altbackenen Stereotypen.
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„Rügenwalder Mühle, can we talk?

Eine Frau stellt fest, dass sie schwanger ist, und was dann beginnt, ist an Kuriosität nicht zu übertreffen. Das Kinderzimmer des Sohnes samt Superhelden-Post und Deko wird radikal durch Plüschtiere und rosa Farbe ersetzt, weil
anscheinend eine Tochter erwartet wird.

“Alles Gute beginnt mit dir”, oder auch: Wie das bisherige Leben des Bruders mal eben ausgelöscht wird. Im Jahr 2022 wird es mehr als Zeit, sich von stereotypischer Werbung zu lösen.“

Pia Ihedioha

Foto einer Astronautin im Raumanzug. Der Hintergrund ist zweigeteilt. Links der Weltall mit einer Waschmaschine auf Rädern und mit einem Solarpanel auf einem Planeten und einer schwebenden Packung Tempo. Links ein Zimmer mit Fenster und einer Topfpflanze im Hintergrund. Auf einem kleinen Schrank steht eine große Packung Tempo Papiertaschentücher. Zentral der Slogan: “Waschmaschinenfest: Auf dem Mond und zu Hause”.

Tempo Taschentücher -
Die Kümmerrolle verfolgt die Astronautin bis ins All

Tempo lebt hinterm Mond – und verpflichtet selbst Astronautinnen zur Hausarbeit mit Papiertaschentüchern und alten Rollenklischees.
Zum Beitrag

„Frauen können alles – sogar ins Weltall fliegen. Aber auch dort sind sie für die Wäsche zuständig und deshalb dankbar für Taschentücher, die sich in der Waschmaschine nicht auflösen? Tempo bedient mit seiner Werbung Rollenbilder
aus dem letzten Jahrtausend und lebt definitiv hinterm Mond. Gibt es da überhaupt Waschmaschinen?

Ins Weltall fliegen: schön und gut, aber die Wäsche muss auch dort erledigt werden. Wer in Tempos Weltbild aus dem letzten Jahrtausend dafür zuständig ist? Natürlich die Astronautin. Ach Tempo, warum beamt ihr euch nicht in die Gegenwart, wo Männer die Wäsche machen, damit Frauen nicht nur mit frisch geputzter Nase, sondern auch mit frischen Socken zum Mond fliegen können. Oder vielleicht hat dann auch schon eine Frau selbstreinigende Funktionswäsche erfunden, die man in der Schwerelosigkeit nicht mehr waschen muss? Die vielen nach wie vor leider weiblichen Care-Arbeiter*innen in Familien würden ihr das
auch auf Erden danken.“

Arn Sauer

„So manche Werbung möchte man auf den Mond schießen – und dieser Beitrag ist definitiv ready for take-off. Mit Sicherheit ganz witzig gemeint, denn klar – wer denkt bei Astronautin auf dem Mond nicht sofort an Waschmaschinen? Als angehende Astronautin, die viel zu oft gefragt wird „ob dann mit der ersten deutschen Frau auf der Raumstation endlich mal ordentlich geputzt wird“ kann
ich über sowas aber tatsächlich nicht mal müde lächeln.“

Insa Thiele-Eich

zwei weiblich gelesene Figuren von Playmobil liegen nebeneinander. Die linke Figur ist insgesamt schmaler als die rechte Figur, im Verhältnis sind die Brüste und Hüften der linken Figur jedoch größer.

Playmobil Ayuma -
Rosa, geschminkt, figurbetont

Sexy Feen der Ayuma Fantasywelt erfüllen Modelmaße anstatt Wünsche. Playmobil findet einen betonten Po bei Kinderspielzeug wichtiger als realistische Körpervorbilder.
Zum Beitrag

„Die weiblichen Spielfiguren werden sehr stereotyp in lila- oder pinkfarbener Kleidung, mit langen Haaren und sichtbaren Brustabzeichnungen dargestellt. Die dünne Statur der weiblichen Spielfiguren transportiert eine Botschaft in die Kinderzimmer: Mädchen haben eine feenhafte Statur zu haben, zart, zerbrechlich, schmal und leicht. Hast du das nicht, bist du keine „echte Fee“ oder eben kein „richtiges Mädchen“. In der Realität sind die vermeintlichen Unterschiede zwischen männlich und weiblich gelesen Körpern hinsichtlich Größe, Umfang usw. fließend. Bei Playmobil ist durch die schlanke Darstellung der weiblichen Spielfiguren das vermittelte Körperideal komplementär  angelegt. Gerade Kinder erhalten so schon im Kleinkindalter ein traditionelles Schönheitsideal vermittelt, das männliche Figuren deutlich größer, stärker und muskulöser darstellt als die weiblichen Figuren. Zudem stehen den weiblichen Figuren überwiegend Langhaarfrisuren zur Auswahl.

Gerade Playmobil war in unserer Kindheit ein Paradebeispiel für ungegenderte Spielfiguren – auch wenn es selten so viereckige Körper in natura gibt, hatte es doch einen entscheidenden Vorteil – die Körper transportieren nicht schon im Kleinkindalter Körperbilder, die aus der Zeit gefallen zu sein scheinen. Auch hier wäre es leicht, die Figuren zu „entsexualisieren- und zu entgendern“, indem es einen Körper gibt und mehrere Haartypen und Accessoires beigelegt werden, die es den Spieler*innen gestatten, ihre Charaktere selbstständig und frei von Rollenklischees zu kreieren.“

IGS Friesland Süd

Insa Thiele-Eich (sie/ihr)

#Klimaschutz
#Gleichberechtigung
#FaszinationWeltall

Klimawissenschaftlerin und Astronautin

Als Mutter, die gleichzeitig Naturwissenschaftlerin und angehende Astronautin ist, fällt mir Gendermarketing ganz besonders in zwei Bereichen auf: wenn es um MINT geht und wenn es um Care-Arbeit geht. Viel zu oft gibt es ein Produkt mit Astronaut und Rakete in blau, und gleich daneben nochmal mit Prinzessin und Einhorn in pink. Kann natürlich Zufall sein, verfestigt aber gerade bei Kindern die Welt, in der sie leben und die sie noch kennen lernen. Und sie entdecken klar getrennte Wirkungsbereiche. Umgekehrt ist Care-Arbeit in der Familie dann oft nur Frauen*-Thema. Es kostet viel zu viel Energie, sich von solchen im Gendermarketing propagierten Bildern loszusagen und zu wissen, dass man auch eine gute Mutter sein kann, wenn man einen anderen Weg einschlägt.

Boris von Heesen (er/ihm)

#KritischeMännlichkeit
#Geschlechtgerechtigkeit
#WasMännerkosten

Vorstand eines Jugendhilfeträgers, Autor und Männerberater

Gendermarketing ist für mich ein unscheinbares und dennoch wirkmächtiges Treibmittel. Unscheinbar, weil es viele Erwachsene und Kinder manipuliert, ohne dass die es bemerken. Mit Schulranzen für Baggerfahrer oder Pferdemädchen, mit Fertiggerichten für Superhelden und Prinzessinnen oder auch mit Gewürzen für grillende Fleischfetischisten oder Sekt für feiernde Freundinnen. Wirkmächtig, weil das Gendermarketing Treibmittel ohnehin viel zu starre Geschlechterbilder und Rollenklischees verfestigt und miteinander verbindet. Und dass nur deshalb, weil in unserem Wirtschaftssystem mit vorwiegend freien Märkten einige Unternehmen von solchen Praktiken profitieren. Das nennt man im ‚Wirtschafts-Sprech‘ Marktversagen, weil Gendermarketing ungerechte Geschlechterstrukturen befördert. Hier muss der Staat intervenieren und entsprechende rechtliche Vorgaben machen, damit vom Patriarchat geformte Geschlechterstereotype nicht noch unnötig und unsinnig verstärkt werden.

Dr. Arn Sauer (er/ihm)

#EsIstZeit
#gleichstellung
#BSGleich

Ko-Direktor Bundesstiftung Gleichstellung

Blau für den Mann, Rosarot für die Frau – und dazwischen gibt es nichts? Gender-Marketing verengt die geschlechtlichen Ausdrucksformen zu einem Alptraum aus Rosa und Hellblau. Verlage geben andere Vorlesebücher und Geschichten für Mädchen und für Jungs zum Lesenlernen heraus – als ob diese eine jeweils andere Sprache lernen müssten. Selbst eingemachte Gurken und Senf sind mittlerweile für den Männer- bzw. Frauenabend zu haben – wobei letzterer gern verniedlicht wird zu ‚Mädelsabend‘. Doch bekommt, wer sich für geschlechtsspezifische Produkte entscheidet, tatsächlich auch spezifischen Inhalt? Oder ist in dem rosaroten Lippenpflegeprodukt nicht doch das Gleiche drin wie im hellblauen, oder in der Cola zero wie in der Cola light? Was feststeht ist, dass geschlechtsspezifisch vermarktete Produkte Dank Genderpricing auch noch mehr kosten – und zwar v.a. für Frauen. Dabei besteht weiterhin ein großer Gender-Pay-Gap von 18 % zuungunsten von Frauen. Das alles macht weder Sinn noch ist es gerecht. Deshalb bin ich natürlich dabei beim Goldenen Zaunpfahl, um auf die Auswüchse von Gendermarketing hinzuweisen – für eine gerechtere Welt für alle Geschlechter.

Judith Rahner (sie/ihr)

#ResilientGegenSexismus


Amadeu Antonio Stiftung, Fachstelle Gender, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus

Sexistische und rassistische Werbung ist einer modernen Demokratie unwürdig. Die Tatsache, dass Produkte gekauft werden, weil sie mit erniedrigten Personen drappiert werden, erschüttert mich. Dass Marketingabteilungen und Firmen verletzende Darstellungen als „geniale Idee“ abfeiern, sogar die öffentliche Empörung einkalkulieren und mit demütigender Werbung dann auch noch Kasse machen, darf nicht sein. Die Gewinne sollten an Initiativen gegen Rassismus und Sexismus verteilt werden.

IGS Zetel

#NiemandWirdAusgeschlossen
#DasGanzeIstMehrAlsDie SummeSeinerTeile
#PartizipationUndMenschen rechteFürAlle

Eva Louise Langerenken (sie), Schülerin IGS Friesland Süd, Zetel
Josie Sandrine Janssen (sie), Schülerin IGS Friesland Süd, Zetel
Jonas Köhne (er), Schüler IGS Zetel
Reik Tjorven Haase (er), Schüler IGS Zetel
Claudia Laahs-Diekmann (sie), Lehrerin

In den vergangenen Jahrzehnten wurden große Anstrengungen unternommen, die Grenzen von zugewiesenen Geschlechterrollen und damit verbundenen Erwartungen an Aussehen, Verhalten und damit an Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe aufzubrechen. In Sachen Gleichberechtigung und Diskriminierung sind die Prinzipien des Gendermarketing ein enormer Rückschritt.

Gerade der Bereich der Computerspiele ist für Jugendliche sehr präsent. Hier werden noch immer alte Klischees bedient. Ob Super Mario sich seine Prinzessin hart erkämpfen muss oder Lara Croft halb nackt an Lianen durch die virtuelle Welt schwingt – immer werden Körper von Menschen zur Schau gestellt, Rollenzuschreibungen und Erwartungen an Verhalten und Aussehen reproduziert, die „typisch männlich oder weiblich sind“ – in dieser Logik werden alle Menschen, die den dargestellten Idealen nicht entsprechen, ausgeschlossen und stigmatisiert. Das macht etwas mit der Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen.

Der Goldene Zaunpfahl ist ein tolles Projekt, weil es für die Kritik an Gendermarketing eine Öffentlichkeit schafft und Gelegenheit bietet, sich auszutauschen. Das auch Schüler*innen Gehör bekommen, finden wir großartig.

Pia Ihedioha (sie/ihr)

#Empowerment
#Repräsentation
#magazinofcolor

Gründerin des Magazins of Color

Werbung ist in unserem Leben allgegenwärtig. Dadurch konsumieren wir ein bestimmtes Bild der Welt, welches uns die Werbung vorgibt. Stereotypische Darstellung in dieser verfestigen diskriminierendes Denken, und das von klein auf.
Ich freue mich deshalb sehr, Teil der diesjährigen Zaunpfahl-Jury zu sein!
Für mehr Repräsentation in der Werbung – frei von Stereotypen.

BLOGBEITRÄGE ZUR PREISVERLEIHUNG 2022

News

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Laudatio zum Goldenen Zaunpfahl 2022

von Eva, Josie und Jonas – Schüler und Schülerinnen der IGS Zetel Jonas: Neulich im Sportunterricht habe ich gehört, wie ein Junge einem anderen Jungen während des Basketballspieles zugerufen hat…
boris-von-heesen-quadratisch

Gastbeitrag von Jury-Mitglied Boris von Heesen

Autor, Männerberater und dieses Jahr Mitglied der Jury des Goldenen Zaunpfahl Awards Boris von Heesen nimmt uns mit auf eine Reise durch seinen Alltag. Er beschreibt, wie sich dieser durch…
dm-Balea

Vorher ohne Nachher? Was sich bei dm verändert hat.

Update dm: Aktuelles Sortiment und Mitarbeitenden-Mail (hsb) Im November letzten Jahres verliehen wir der Drogeriemarktkette dm den Goldenen Zaunpfahl. Die Begründung der Jury lautete: „(…) seit Jahren penetrantes Gendermarketing und (…)…

Die Unrühmlichen 7 stehen fest!

Aus diesen wählt die Jury dann Platz Eins, der im Rahmen unserer Abendveranstaltung mit dem goldenen Zaunpfahl „belohnt“ wird.

Ein besonderer Dank geht an alle, die uns ihre Einreichungen geschickt haben! Auch wenn Ihr sie im Gruselkabinett (noch) nicht seht: alle kommen auf die Liste, die wir der Jury vorlegen werden.

Folgt uns auf Insta oder Twitter, um auf dem Laufenden zu bleiben und seid dabei, wenn wir zum sechsten Mal seit 2017 den Award für absurdes Gendermarketing verleihen!

Sehen wir uns am 21.11. in Berlin?

– Bunte Grüße aus dem Goldenen Team 👋.