Piraten und Prinzessinnen – das (Alb-)Traumpärchen

In dieser Einreichung einer Geburtstags-Schatztruhe von Rossmann begegnet sich das Traumpärchen vieler Marketingabteilungen: Prinzessin und Pirat. Sehr viele Prinzessinen und Piraten reichen sich im Gruslekabinett die Hand. Wer das unproblematisch findet, liest hier weiter.

Bild (c) privat.

Die Einreichende dieses Produkts stellt fest, dass wir entsprechend alles andere sind als auf dem sicheren, richtigen Weg in Sachen Zuschreibung von Geschlechterrollen:

„Liebes Goldener Zaunpfahl-Team,
hier etwas, über das ich beim heutigen Einkauf bei Rossmann gestolpert bin: Schatztruhen für Kindergeburtstage – natürlich aufgeschlüsselt nach Geschlecht. „Geburtstagskiste Piratenschatz“ mit Junge in Blau „Geburtstagskiste Prinzessin“ mit Mädchen in Rosa (und weibliche Symbolfiguren – da traut sich kein „Prinz“ das zu benutzen) … Danke für nichts! Die nächste Generation schlägt sich mit Gendernormen rum, die ich in den 80ern noch gar nicht hatte.
Ja, das Foto darf gerne kostenfrei genutzt werden, auch für weltweite Veröffentlichungen.
Mit freundlichen Grüßen”

Warum wir das Pärchen ganz und gar nicht traumhaft finden

Tatsächlich ist in vielen Studien belegt, dass die Aufteilung der Welt der Kinder in rosa und hellblau weitreichende Folgen hat. Almut Schnerring und Sascha Verlan erklären hier zusammengefasst:

  1. „Gendermarketing teilt Kinder in zwei Gruppen und zwingt sie immer wieder, sich zu positionieren.“
  2. „Damit ist in den vergangenen Jahren ein sich selbst verstärkender Prozess in Gang gesetzt worden: Je mehr gegenderte Produkte auf den Markt kamen, desto größer wurde auch das Bedürfnis, sich abzugrenzen und durch ebensolche Produkte die eigene Gruppenzugehörigkeit zu betonen.“
  3. „Die Trennung in Zwei sorgt zuverlässig dafür, dass sich innerhalb der eigenen Gruppe ein Wir-Gefühl entwickelt, und das Bedürfnis entsteht, sich von den Anderen, der ‚Fremdgruppe‘, abzugrenzen. Die eigene Gruppe wird bevorzugt, Nichtmitglieder werden benachteiligt, und die eigene Meinung, die eigenen Vorlieben und Interessen werden dem Gruppenkonsens angepasst. Unser Selbstwertgefühl speist sich eben nicht nur aus dem, was wir selbst leisten, sondern auch aus der Gruppe, mit der wir uns identifizieren. Schwierig nur, wenn sich das Gruppenlabel auf Kopf oder Zahl, rechts- oder linksrheinisch, rosa oder hellblau reduziert, wenn also die Abgrenzung von den Anderen gar nicht in den eigenen Interessen begründet ist.“

Hier kommt noch dazu, dass das Produkt die Geschlechtertrennung in einem weiteren Freizeitbereich von Kindern voran bringt, der bis vor kurzem noch weitgehend durchmischt war: Kindergeburtstagsfeiern. Siehe auch so hier und hier.

Das klische*esc e.V.-Team dankt herzlich für die Einreichung. Der Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Burgwedel zur Dirk Rossmann GmbH.

(jf)