Es könnte so einfach sein: Kinder lieben Abenteuer. Kinder lieben Glitzer. Kinder wollen graben, bauen, basteln und entdecken. Ganz egal, ob sie als Mädchen oder Jungen gelesen werden. Doch was macht Kosmos? Der Verlag, der schon 2018 mit seinem Barbie-Experimentierkasten den Goldenen Zaunpfahl bekam, hat offenbar bisher keine weiterführende Informationsveranstaltung zu Gendermarketing besucht.
Gleiches Prinzip, gleiche Schublade
Ein Blick ins Regal bei Kaufland im Sommer 2025 zeigt es deutlicher denn je. Da liegt der Piraten-Schatz in Schwarz – Münzen, Totenschädel, Abenteuer. Daneben brüllt der Nachtleuchtende T-Rex in dunklem Grün – Urzeit, Skelette, Fossilien. Und dann, fast zärtlich, der Feen-Schatz in Rosa – Blütenperlen, Feen, Zauberarmband.
Alle Kästen sind für Kinder zwischen 7 und 10, alle funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Ausbuddeln, forschen, Spaß haben. Aber die Farbe macht den Unterschied – und sie signalisiert: Jungs hier, Mädchen da. Denn wehe, ein Junge traut sich zur “zärtlichen” Variante zu greifen.
Wer Kinder trennt, nimmt ihnen Freiheit
Wer Kinder immer nur als Mädchen oder Jungen anspricht, nimmt ihnen die Freiheit selbst zu entscheiden. Und genau darum geht es: Kristalle, Feen, Einhörner – wunderbar! Doch wer all das Rosa fest an ein „Mädchen“-Label kettet, macht klar: Jungs dürfen hier nicht rein.
Es ist 2025. Es ist höchste Zeit, das zu verstehen: Rosa gehört niemandem. Genauso wenig wie Blau, Grün oder Schwarz. Kinder dürfen Glitzer lieben UND Dinos ausbuddeln. Vielleicht sogar beides gleichzeitig.
Dass es anders geht, ist keine Raketenwissenschaft
Es wäre so einfach: Ein bisschen mehr Farbe, ein bisschen weniger Schublade. Feen nicht in Rosa gefangen halten, Piraten nicht im Dunkelgrau. Wer Einhörner liebt, sollte sie in Türkis, Violett und Knallgelb finden. Damit auch Jungs, ohne Rot zu werden, Magie und Schönheit erforschen können.
Es braucht keine „Jungs-Experimentierkästen“ und „Mädchen-Experimentierkästen“. Es braucht Experimentierkästen. Fertig.
Kosmos hat 2018 seinen Zaunpfahl bekommen. Offenbar müssen wir 2025 noch mal damit winken. Damit Kinder endlich frei forschen dürfen – egal, ob sie Einhörner lieben oder Totenschädel.
Das ist gruselig, denn:
Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.
Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Stuttgart und ein herzlicher Dank für die Einreichung an Sophie.
(sl)