Stereotype zu verschenken

Der “STILPUNKTE Lifestyle Guide” hatte passend zum Vorweihnachts-Shopping-Fieber im Winter 20/21 so Einiges an gruselig gender-klischeebehafteten Geschenkartikeln auf seinen Magazin-Seiten vertreten, mit Produkten des Shops AMARA:


Foto: (c) Promedia GmbH, Screenshot: @klische*esc e.V
Foto: (c) Promedia GmbH, Screenshot: @klische*esc e.V

Neben einer Doppelseite, aufgeteilt für Geschenkideen für “Ladies” und “Gentlemen” findet sich auch eine geteilte Doppelseite für “Girls” und “Boys”, natürlich auch farblich kenntlich gemacht durch dekorative Schneeflocken in einer “typischen” Jungs- oder Mädchenfarbe.

Foto (c) @Meranett

Fast alle Artikel greifen auf ein sehr limitiertes, und teils grenzwertiges Geschlechterverständnis und/oder Stereotype zurück. So sollen sich die “Girls” hier unter anderem über ein Einhorn-Kostüm in Rosa, eine rosa Küche oder ein Spiel namens “Familienglück” à la “Früh übt sich in Care-Arbeit” freuen, während die “Boys” auf einem Löwenteppich, mit dem schicken Rennauto oder einem Piratenschiff für “Abenteurer” stark und mutig sein spielen sollen. Das Zelt namens “Indianer” (nachfolgend “I-Wort”) auf der “Boys”- Seite geht hierbei noch einmal über die Grenzen des schlechten Gendermarketing-Geschmacks hinaus und reproduziert unbedarft verletzende Stereotype und eine rassistische Fremdbezeichnung indigener Völker.

Damit qualifizieren sich das STILPUNKTE-Magazin und die Produkte von AMARA gleich in mehrfacher Hinsicht für eine Nominierung für den diesjährigen Goldenen Zaunpfahl: Nicht nur teilt das Magazin alle Artikel ausschließlich entweder dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zu und greift hierfür auf Vorurteile und veraltete Rollenbilder zurück. Es werden auch mehrere besonders plumpe Klischees und Stereotype gleichzeitig bedient: Zum einen die sexistischen Zuweisungen des Weiblichen zu Beautyprodukten (zu sehen besonders auf der Doppelseite “Für Ladys”) und zur Care-Arbeit (Rosa Küche und Familien-Spiel für Mädchen), zum anderen das männliche Pendant der Rohnatur und des “Wilden, Starken, Mutigen” – Artikel in dunkler Holz- oder Lederoptik für Männer, Piratenschiff, Löwenteppich und Rennauto für Jungs. Sogar das Tipi “I-Wort” bleibt den Jungs vorbehalten, dabei wäre es so naheliegend, ein stereotyp-freies “Spielzelt” für alle Kinder zu bewerben. Ein gemeinsames Spielen unter Kindern aller Geschlechter und freie Entfaltungsmöglichkeiten der Individuen scheinen jedoch weder AMARA noch dem STILPUNKTE-Magazin ein Anliegen zu sein.

Ein klarer Wink mit dem Zaunpfahl geht deshalb nach Köln an die Redaktion des STILPUNKTE-Magazin und an AMARA und einen herzlichen Dank an @Meranett für die Einreichung!

(ak)

E: 03/2021