Roboterbasteln für Jungs, Einhörner­verzieren für Mädchen

Foto: (c) Lingen Verlag, Screenshot: @klische*esc e.V.
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Der Helmut Lingen Verlag verkauft Bastelbücher getrennt nach Jungen und Mädchen. Damit bedient er vor allem Geschlechterklischees, anstatt Bastelspaß zu bringen. Eltern und Kindern wird die Wahlfreiheit beim Kauf so eindeutig wie nur möglich abgenommen, denn die Büchercover sind nicht nur blau versus rosa, Roboter versus Einhörner, sondern auch ganz explizit: „nur für Mädchen“ bzw. „nur für Jungen“. Jetzt braucht es Selbstbewusstsein, um das „falsche“ Buch zu kaufen.

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Der Verlag transportiert seine Vorstellung davon, was Jungen gefällt. Sie mögen Action und Abenteuer, basteln gerne Papierflieger oder „monsterstarke Fingerfiguren“. Jungen finden also nicht irgendwelche Monster toll, nein, die müssen auf jeden Fall stark sein. Stark wird als Zuschreibung für den Jungen gewählt. Wer Schwäche zeigt, ist also ein Mädchen? Auch so kann toxische Männlichkeit entstehen.

Laut Verlag mögen Mädchen hingegen lieber Fantasiewelten und Tiere, Monster sind nicht zu finden. Sie basteln „tierisch süße Masken“. Ja, Tiere können süß sein. Die Verniedlichung als Stilmittel ist jedoch unpassend, vor allem im Vergleich zu „monsterstark“. Kind, wenn du als Mädchen richtig sein möchtest, sei süß – nicht stark. Wie sollen Kinder so zu gleichberechtigten Menschen heranwachsen?

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Weitere Klischeklassiker im Bastelbuch für Mädchen sind die Prinzessinnen und Einhörner. Davon findet sich leider schon etliches in unserem Gruselkabinett. Mädchen wird unterschwellig vermittelt, Prinzessin spielen sei genau ihr Ding. Dabei ist deren Aufgabe lediglich hübsch und anpassungsfähig zu sein. Ist das ein erstrebenswertes Lebensmodell?

Gendermarketing schränkt die Entwicklung von Kindern ein, denn diese spielen eher mit dem für sie gelabelten Spielzeug (siehe Christia Spears Browns Untersuchung). Das Spielzeug des anderen Geschlechts wählen sie hingegen eher nicht aus.
Aus diesem Grund sollten Bastelbücher keine vorgefertigten, geschlechtergetrennten Interessen mitliefern. Kindern sollte es selbst überlassen sein, was sie gerne basteln und wo ihre Interessen liegen. Tiere und Monster sind schließlich für alle da.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Köln an den Helmut Lingen Verlag und ein herzlicher Dank für die Einreichung an @thislittlegirlsgonerockin.

(jp)

VÖ-Jahr: 2020