Wickeln, aber bitte mit Stil – das scheint die Devise der Mommy Bag von Childhome zu sein. Die wattierte Riesentasche in edlem Wollweiß mit kontrastierendem Schriftzug „Mommy Bag“ macht keinen Hehl daraus, wer hier für Windeln, Snacks und Feuchttücher zuständig ist: Mama. Sichtbar, präsent, stylish – und dabei bitte auch Instagram-ready.
Während der Daddynator mit Camouflage und „PAPA“-Patch signalisiert, dass Wickeln für Männer nur mit militärischer Aufmachung geht, setzt die Mommy Bag auf das Gegenteil: weich, elegant, gepflegt. Aber immer mit klarem Rollenbezug.
Und wo ist der Daddy Bag in dieser Produktreihe? Den gibt es nicht. Aber – kleine Korrektur – es gibt einen Family Bag von Childhome. Klingt vielversprechend. Klingt nach Gleichstellung. Doch beim genaueren Hinsehen wird klar: Die Family Bag ist das Sparmodell. Halber Preis, halber Glamour, kaum Features. Kein gepolsterter Schulterriemen, kein Innenleben mit durchdachtem Stauraum – dafür aber: khaki und funktional. Sichtbar neutral. Und vor allem: neutral unsichtbar.
Was wird hier kommuniziert? Wer Familie sagt, bekommt die Light-Version. Wer „Mommy“ sagt, bekommt das Komplettpaket. Das signalstarke Accessoire. Die Hauptrolle. Muttersein bleibt nicht nur sichtbar, es wird aufgewertet – als Lebensstil, als Erwartung, als Standard. Und alles, was nicht explizit „Mommy“ ist, wirkt wie die abgespeckte Alternative. Pflegeleicht, aber bitte nicht zu auffällig.
Und mittendrin: vertbaudet. Als Anbieter von Produkten rund ums Familienleben verkauft das Unternehmen nicht nur Taschen, sondern auch Bilder von Elternschaft – und verteilt dabei recht deutlich, wer welche Rolle (und welche Ausstattung) verdient hat. Die Mommy Bag ist Bühne und Verantwortung zugleich. Die Family Bag? Bühnenrand.
Fazit: Sichtbarkeit ist Macht. Und Mutterschaft bleibt ihre treue Stammkundin. Vaterschaft? Passt vielleicht noch ins Seitenfach – sofern eins frei ist.
Das ist gruselig, denn:
Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.
Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Fürth und ein herzlicher Dank für die Einreichung an unsere Community.