GU bewirbt das Buch „All About Men“ auf Instagram. Ein Buch über Männergesundheit. Laut Statistiken* achten Männer nicht so auf ihre Gesundheit wie Frauen. Sie gehen weniger häufig zu Vorsorgeuntersuchungen und bei akuten Krankheiten zögern sie Besuche in medizinischen Einrichtungen hinaus. Sie begeben sich auch häufiger in riskante Situationen, weil sie immer noch durch die Erziehung geprägt sind, ein Mann müsse stark sein und dürfe keine Schmerzen zeigen.
Daher ist ein Buch zu diesem Thema für Männer sehr wichtig und überfällig. Für Männer? Nein, denn GU meint wohl, Männer können das einfach nicht, darum sollten sich lieber die Frauen kümmern. Sie sind laut Buchbeschreibung schließlich „die Gesundheitsministerinnen der Familie“. Also richtet sich dieses Buch an Frauen. Ja, richtig gelesen! In der Beschreibung steht: „Braucht es ein Männergesundheitsbuch für Frauen (und Männer)? Absolut!“ GU ist der Meinung, Frauen sind nicht nur die Gesundheitsministerinnen für ihre eigene Familie, sondern auch für ihre Väter und Brüder. Um wen und was sollen sich die Frauen denn noch alles kümmern? #mentalload #equalcare
Auf Instagram wird GU auch noch konkreter: „Ein Männergesundheitsbuch für Frauen? Klingt komisch, ist aber genau das, was es braucht!“
Nein, das klingt nicht komisch, das IST komisch – altbacken und überholt. Warum auch die Männer selber in die Verantwortung nehmen, sich mal endlich um ihre eigene Gesundheit zu kümmern, wenn man hier auch einfach Frauen in die Verantwortung nehmen kann?
Genau so wie wir sehen es auch viele andere Instagram-User*innen, die viele empörte Kommentare geschrieben haben.
Auf die Kritik hat GU geantwortet und auch den Insta-Text verändert: „Es geht nicht um Rollenbilder oder Erwartungen“, „ Es soll aufklären und entlasten“ heißt es da. Doch Entlastung passiert mit diesem Buch nicht! GU reproduziert die veralteten Rollenbilder, verstärkt den Mental Load der Frauen, entlässt Männer aus ihrer Verantwortung (für sich selbst!) und überträgt Frauen mal wieder die Carearbeit.
GU, dieses Buch hilft nicht, es bereitet uns Schmerzen!
Das ist gruselig, denn:
Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.
Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach München und ein herzlicher Dank für die Einreichung an Konny.
(NT)