Wer Tchibo hört, denkt vielleicht zuerst an Kaffee. Doch längst hat das Unternehmen ein umfangreiches Non-Food-Sortiment aufgebaut – mit eigenen Shops und Regalen in Supermärkten. Und eigentlich fiel Tchibo in der Vergangenheit auch positiv auf: mit neutral gehaltener Kinderkleidung, die nicht gleich mit „für Jungen“ oder „für Mädchen“ beschriftet war.
Umso ernüchternder der Blick auf die aktuelle Herbstkollektion in den Filialen: Wer wetterfeste Kleidung sucht, landet unweigerlich in der Rosa-Hellblau-Falle. Regenhosen in „Blau“ oder „geblümt“, Mützen in Pink mit Blümchen oder in Dunkelblau mit Autos, Gummistiefel fein säuberlich sortiert nach Farbklischees.
Funktional unterscheiden sich die Teile kaum – ob Regenhose oder Mütze, alles schützt gleich vor Nässe und Kälte. Aber die Gestaltung macht daraus wieder ein Klischee-Karussell: Autos für die einen, Blümchen für die anderen.
Online hat Tchibo zwar noch immer neutrale Kinderkleidung im Angebot. Nur: Im Ladenregal taucht davon fast nichts auf. Stattdessen prangt dort die altbekannte Rosa-Hellblau-Wand.
Die Folge: Kinder werden unnötig in Schubladen gesteckt, Eltern subtil unter Druck gesetzt, das „richtige“ Stück zu wählen. Und am Ende bleibt weniger Freiheit, weniger Vielfalt und die simple Frage: Warum zurück in die Klischeefalle, wenn man längst bewiesen hat, dass es auch anders geht?
Das ist gruselig, denn:
Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.
Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Hamburg und ein herzlicher Dank für die Einreichung an Julia.
(SL)