Mädchen matschen im Tütü

Die drei Varianten der Matschmini, die im Prinzip wie eine übliche Matsch-/Regenhose aussehen, haben entweder einen angenähten oder einen abnehmbaren Rock. Es gibt sie in den Farben Pink mit pinkfarbenem Rock sowie in schimmerndem Grau mit Röcken in Neongrün oder Pink.

Foto: (c) Matschmini, Screenshot: @klische*esc e.V

Und eigentlich geht es gut los auf der Matschmini Website, denn die „1. Matschhose mit Rock“ wurde „mit und für Kinder entwickelt, die gerne Röcke und Kleider tragen“.
Was zunächst genderneutral klingt, entpuppt sich dann leider schnell als pinkfarbener Mädchen-(Alb)-Traum.

Bilder, auf denen ausschließlich weiblich gelesene Kinder gezeigt werden, sowie Textpassagen wie „Ab in die Pfütze Prinzessinnen!“ machen deutlich: dieses Produkt ist NICHT für alle Kinder, die gern Röcke und Kleider tragen. Mit der konsequenten Ansprache von „Girls/Girlies“ auf der gesamten Webseite wird ein weiteres Mal deutlich, dass Jungen hier leider nicht mitspielen dürfen.

Foto: (c) Matschmini, Screenshot: @klische*esc e.V

Auch in der Story zur Entstehung des Produkts lesen wir heraus, dass hier starke Genderklischees walten, denn es gibt anscheinend nur jede Menge Mädchen, die ausschließlich Kleider und Röcke tragen wollen. Vielleicht gäbe es genau so viele Jungen, die das gern täten, wenn man es ihnen erlauben würde. Oder sie zumindest wertungsfrei wissen lassen, dass sie diese Möglichkeit haben. und wenn Produkte wie die Matschmini wirklich für alle Kleid-/Rockliebhaber*innen gemacht wären. Auch für nicht-binäre Kinder, die hier mal wieder gar nicht mitgedacht werden.

Außerdem oberste Priorität bei der Entstehung von Matschmini: „Dabei war uns wichtig, dass die neuartigen Regenhosen mit Rock süß aussehen, geeignet sind zum Spielen und Matschen und sich leicht pflegen lassen“. Süß aussehen. Mädchen müssen schließlich ständig süß aussehen, auch beim Spielen und Matschen. Diese Tätigkeiten werden dann konsequenterweise auch erst an zweiter Stelle genannt.

Ob das Produkt überhaupt notwendig ist, wollen wir an dieser Stelle nicht beurteilen. Es fällt wohl in die Kategorie von Skiröcken oder Warnwesten mit extra Rüschen

Farben UND Röcke sind für alle da

Was uns aber völlig klar ist: Durch den Fokus auf ein spezifisches Geschlecht werden alle anderen automatisch ausgeschlossen wird. Und da wir in einem binären System leben, bedeutet das: Sobald es eine „Mädchenvariante“ gibt, wird der eigentlich neutrale Urtyp in der Regel automatisch zur „Jungenvariante“.

Somit wird künstlich der Bedarf geweckt, für die eigene Tochter eine „mädchengerechte“ Matschhose zu besorgen, wodurch Eltern nicht selten doppelt oder teuer kaufen, statt günstig und nachhaltig die Hose vom Bruder oder eine der vielen anderen Second-Hand Hosen aufzutragen.
Wenigstens fällt der Preis ähnlich aus wie bei anderen neuen Matschhosen und es wird nicht offensichtlich mehr Profit daraus geschlagen.

Foto: (c) Matschmini, Screenshot: @klische*esc e.V

Eine offenere und reflektiertere Vermarktung des Produkts würde uns noch besser gefallen, schließlich könnten Kinder jeden Geschlechts gezeigt werden, die mit ihren Röckchen nicht nur Prinzessin, sondern auch Matschheld*in, Sandexpert*in oder Buddelpirat*in sind.

Unser Fazit: nicht nur Farben sind für alle da, sondern auch Röcke. Die Matschmini spaltet die Geschlechter und fördert internalisierte Stereotype.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach München an Matschmini
und ein herzlicher Dank für die Einreichung an @quatschkopfmama

(tl)

VÖ: 2018
E: 2021