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Freie Berufswahl, oder doch nicht?

Die Euro Akademie versucht mit Anzeigen auf Instagram neue Schüler*innen anzuwerben, doch leider mit Fotos von klassischen Rollenbildern.

Auf dem Fotos sind zwei als Mädchen gelesenen Kinder (ca. 5 Jahre alt) beim Backen zu sehen. Das linke Kind hat Lockenwickler im Haar, ein blaues T-Shirt mit einer roten Perlenkette. Sie rollt mit einer Teigrolle den Teig platt. Das Mädchen auf der rechten Seite hat ein lilablaues Haarband im Haar, dazu trägt sie eine lilablau karierte Bluse. Sie rührt mit einem Quirl eine weiße Flüssigkeit in einem silbernen Schüsselchen um. Dazu der Text: … schon immer mein Ding! Genau meine Ausbildung: Sozialassistent*in Euroakademie
Foto: KinderKuchen, (c) Euroakademie, Screenshot: privat / klische*esc e.V.

Die Euro Akademie versucht mit Anzeigen auf Instagram neue Schüler*innen anzuwerben, doch leider mit Fotos von klassischen Rollenbildern.

Wenn man Kinder auffordert, Bilder verschiedener Berufsgruppen zu malen, dann ist das Ergebnis meist traurig eindeutig. Pilot*innen, Feuerwehrleute und Ärzt*innen werden in den meisten Fällen männlich dargestellt, Lehrer*innen und Florist*innen hingegen weiblich.

Schon kleine Kinder haben eine ganz genaue Vorstellung von vermeintlichen
„Männer- und Frauenberufen“. Warum, fragt man sich? Schauen wir uns doch mal das Werbebild der Euro Akademie für die Ausbildung als
Sozialassistent*in an.

Hier sind zwei weiblich gelesene Kinder bei Tätigkeiten abgebildet, die man als Haushaltsaufgaben betiteln würde. Haushaltsaufgaben fallen oftmals eher weiblichen Personen zu. #GenderCareGap

Ob sich ein Schüler von diesem Werbebild angesprochen fühlt und sich traut eine Bewerbung zu verschicken? Ob sich eine Schülerin hiermit gestärkt fühlt, auch mal über den Tellerrand zu schauen und sich nach „untypischen“ Berufen umzusehen? Das können wir wohl bezweifeln. Wenn Haushalt, dann bitte in schön.

Neben der massiven Genderspezifik gibt es hier noch eine zweite Ebene. Die
Kinder dürfen nicht einfach spaßig und kindgerecht backen. Sie müssen nebenbei bitte hübsch aussehen, so wie es sich „für Frauen gehört“. Das pinke Hemd passt bitte zum pinken Haarband. Die rote Perlenkette komplettiert zusammen mit der roten Haarschleife die Lockenwickler (!).

Ist doch alles nur Spaß? Klar, Kinder spielen gerne Erwachsene. Sie wollen auch groß sein, Dinge tun, die die Großen tun und am besten auch so aussehen wie sie. Aber vielleicht könnte man hier mit weniger Klischees arbeiten? Mädchen dürfen auch gerne so werden wollen wie der Papa, Jungen gerne so wie die Mama. Da wünschen wir uns deutlich mehr
Offenheit und Vielfalt.

Leider kein Einzelfall

Auch die anderen Werbebilder der Akademie zeichnen ein sehr klares Genderbild. Erzieher*innen sind weiblich gelesen (immerhin BiPoc), Altenpflegehelfer*innen ebenfalls. Die Ausbildungsgänge als Kaufmann*frau für IT-System-Management, Europa-Korrespondent*in und Industriekaufmann*frau werden mit männlich gelesenen Personen beworben. Richtig tief in die Klischeekiste wird bei der Ausbildung als medizinisch-technische*r Assistent*in gegriffen. Hier schaut der männlich gelesene Arzt fachmännisch auf das Röntgenbild, während die Assistenzkraft Trommelwirbel weiblich gelesen ist. Autsch, hier hilft auch keine Notaufnahme mehr.

Schade, liebe Euro Akademie. Hier verschenkt ihr Potenzial auf dem Weg den Fachkräftemangel zu beheben! Ihr habt euch doch schon Gedanken gemacht und sprecht von Kaufmann*frau und von Auszubildenden und ihr habt nicht nur weiße Menschen auf euren Bildern. Ihr seid also schon auf einem guten Weg, warum geht ihr ihn nicht bis zum Ende? Brecht doch mal alte Rollenbilder auf und nehmt die Gender aus den Berufen. Dann haben wirklich alle eine freie Berufswahl. Und für nichtbinäre Personen findet ihr vielleicht auch noch inklusivere Berufsbezeichnungen.

Freie Berufswahl fängt mit den Bildern in unseren Köpfen an.

Der Wink mit dem Zaunpfahl geht daher an die Euro Akademie (Impressum unter https://www.euroakademie.de/impressum.html) und ein herzlicher Dank für die Einreichung an unsere Community.

Das ist gruselig, denn:

  • Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
  • Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
  • Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
  • Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
  • Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
  • Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
  • Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
  • Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
  • Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
  • Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Stockstadt am Main und ein herzlicher Dank für die Einreichung aus unserer Community

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