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Ein gekonnter Griff ins Klo. (M)ein Mann erklärt mir die Welt

WC-Frisch bedient sich (mal wieder) an einer klischeehaften Darstellung der Verteilung von Geschlechterrollen im Haushalt. Die Frau in dem Video beschwert sich und fragt, ob der Mann nicht auch mal die Toilette putzen kann. Der wiederum fragt schon fast erschrocken, warum er denn jetzt diese Aufgabe übernehmen soll (immerhin ist er doch hier der Mann, oder nicht?). Aber natürlich hat er die perfekte Lösung für sein Problem und zeigt ihr selbstverständlich, wie das Klo putzen richtig geht – Mansplaining lässt grüßen. Und zack: Mit einem Griff ins Klo, Toilettenreiniger eingehängt, ist das Problem gelöst und er der Held des Alltags.

Im Anschluss kontrolliert sie, ob er seine Arbeit auch ordentlich gemacht hat (man kann sich in Sachen Haushalt ja schließlich nicht auf Männer verlassen). In dieser Botschaft oder bzw. der Kontrolle schwingt mit, dass sie ihrem Mann nicht zutraut, dass er seine aufgetragene Arbeit im Haushalt auch richtig macht und die Erwartung/Vermutung hat, dass sie es am Ende doch selber machen muss.

Zum Ende des Spots sagt der Mann ziemlich selbstgefällig, dass es ja kein Problem sei, zukünftig die Toilette selbst zu putzen, weil es für ihn scheinbar keine richtige Arbeit ist (Die putzt sich ja jetzt quasi von selbst).

Auch die Caption ist interessant: “POV: Wenn er nie was im Haushalt macht”, das sagt ja eigentlich schon alles. Es lohnt sich auch ein Blick auf den Joke-Charakter des Spots, denn natürlich ist alles “nur lustig gemeint”. 

Besonders interessant ist dabei, dass der Spot als User Generated Content (UGC) daherkommt. Solche Inhalte sollen bewusst authentisch und nach „echtem Alltag“ aussehen und werden bei Content Creator*innen in Auftrag gegeben und produziert. Als Werbung unter dem Account einer Marke sind sie aber trotzdem Teil der Unternehmenskommunikation. Jedes UGC-Video wird vom beworbenen Unternehmen freigegeben. Und gerade der vermeintlich authentische Blick in den Alltag “ganz normaler Menschen” kann schnell zum Einfallstor für Geschlechterklischees werden, die in klassischer Hochglanzwerbung inzwischen vielleicht stärker in die Kritik geraten würden.

Übrigens: Schon 2018 ist WC-Frisch mit Sondereditionen unter anderem für die „Toilet Queen“ und den „Porzellan Prinz“ und ihren binär gestalteten Verpackungen negativ aufgefallen.

WC-Püppchen vs Sprengmeister
Pippi-Hippi und Toilet-Queen
„Klischees machen auch vor der Badezimmertür nicht halt“, schreibt Henkel in seiner Pressemitteilung...

Das ist gruselig, denn:

  • Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
  • Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
  • Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
  • Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
  • Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
  • Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
  • Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
  • Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
  • Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
  • Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Düsseldorf und ein herzlicher Dank für die Einreichung an unsere Community!

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