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Loomaid – weil Saubermachen Frauensache ist

Wenn man nach veralteten Rollenverteilungen geht, ist die Bezeichnung der Loomaid-Klobürsten tatsächlich in gewisser Weise naheliegend. Bedeutet “Loo” auf Deutsch doch “Klo” und Maid “Dienstmädchen”. Das Produkt beschreibt sich mit diesem Namen also frei übersetzt selbst als “Klomädchen”. Es wird somit direkt beim Namen darauf hingewiesen, für wen es gedacht ist. Klischee auf, Klobürste rein, Klischee zu.

Bekannt aus der Sendung “Die Höhle der Löwen” werben sie mit Produkteigenschaften, die jede Hausfrau sicher begeistern: Selbstreinigend, kaum Tropfwasser und durch das Silikon extra langlebig. Wer würde da nicht über den diskriminierenden Namen hin wegschauen wollen?

Klobürsten aus Silikon mit pinker, blauer oder grauer Bürste.
Foto: (c) klische*esc e.V.
Jedoch muss man dem Unternehmen zumindest den Versuch zur Genderneutralität lassen: Zwar zielt der Produktname klar auf die weibliche Zielgruppe ab, so wurde immerhin die grafische Gestaltung in schwarz und blau eher maskulin gehalten (um auch hier die stereotypische Farbdefinition zu benutzen). Zudem gibt es die Klobürsten in pink, blau und grau zu kaufen. Also prinzipiell für jedes Geschlecht etwas dabei, könnte man meinen. Wer aber weiß, dass bereits Kinder lernen, welche Farbwelt laut stereotypischen Rollenmuster ihrem Geschlecht zugeordnet werden, empfindet die Farbauswahl der Loomaid-Klobürsten vielleicht doch nicht mehr als so harmlos. Ein Griff ins Klo-sozusagen.

Das ist gruselig, denn:

  • Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
  • Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
  • Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
  • Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
  • Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
  • Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
  • Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
  • Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
  • Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
  • Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Ingelheim und herzlichen Dank an unsere Community für die Einreichung.

(lp)

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