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Zu viel Verantwortung? Dann schlaf halt besser, Mama!

Was brauchen wir aus dem Supermarkt? Wann muss die Waschmaschine wieder laufen? Was schenken wir dem Kind zum Geburtstag? Wer denkt an den Arzttermin, die Wechselklamotten, die Einladung, den Elternabend? Diese und unzählige weitere Aufgaben laufen oft unsichtbar nebenher. Einen Namen dafür gibt es längst: Mental Load.

In vielen Familien landet der Großteil davon bei den Müttern. Sie planen, erinnern, organisieren und behalten im Kopf, was andere nicht einmal bemerken. Das Gedankenkarussell begleitet sie durch den ganzen Tag und nicht selten auch abends mit ins Bett. Wenn die Mütter schlussendlich überlastet sind und den Aufgaben nicht mehr zu 100% nachkommen können, heißt es bei der KKH: „Mama wird langsam vergesslich.“ Wie einfach. Aus einer Frau, die womöglich seit Jahren den Familienbetrieb im Kopf zusammenhält, wird plötzlich eine versagende Mutter mit Leistungsproblem. Selbst schuld! Liegt bestimmt daran, dass sie so schlecht schläft.

Zum Glück bezuschusst die KKH die HelloBetter-App. Die soll Mama helfen, ihr Gedankenkarussell zu stoppen und besser zu schlafen. Übersetzt: An der Verteilung der Arbeit ändern wir nichts, aber Mama kann ja lernen, die Überlastung professioneller wegzuatmen.

So wird aus einem strukturellen Problem ein individuelles Optimierungsprojekt. Nicht die Frage „Warum trägt sie eigentlich so viel Verantwortung?“ oder die Verteilung der Care-Arbeit steht im Raum, sondern: „Warum schafft sie es nicht mehr, trotz all dieser Verantwortung leistungsfähig zu bleiben?“ Für die Erschaffenden dieser Werbeanzeige ist es wohl einfacher, dass Mütter effizienter überlastet sind, als das System zu hinterfragen. Und so bleibt die Verantwortung, wo sie offenbar hingehört: bei Mama. Nur schlafen soll sie dabei bitte besser.

Kaufmännische Krankenkasse - KKH, screenshot: Klische*esc e.V.
Screenshot einer Anzeige der KKH Kaufmännischen Krankenkasse. Zu sehen ist eine Frau, die auf dem Rücken im Bett liegt und eine blaue Schlafmaske trägt. Auf der Maske steht in großen weißen Buchstaben: „MAMA WIRD LANGSAM VERGESSLICH!“. Über dem Bild wirbt die KKH dafür, mit der HelloBetter-App das „Gedankenkarussell“ zu stoppen und besser zu schlafen.
Kaufmännische Krankenkasse - KKH, screenshot: Klische*esc e.V.

Das ist gruselig, denn:

  • Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
  • Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
  • Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
  • Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
  • Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
  • Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
  • Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
  • Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
  • Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
  • Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Hannover und ein herzlicher Dank für die Einreichung an unsere Community.

(IK)

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