Prinzessin putzt für den Prinzen?

„Wenn der Prinz nichts macht, muss die Prinzessin ran“?! Nix da, der Prinz erledige gefälligst seine Hälfte! Dieser Putzeimer, der in einer Berliner OBI-Filiale verkauft wird, hat ein Leck, denn er trieft vor Sexismus. 

Foto (c) privat

Erstens, warum ist er pink? Rhetorische Frage. Er ist natürlich pink, weil Frauen ihn kaufen sollen – Frauen sind schließlich auch diejenigen, die putzen, das ist ja biologisch so festgelegt und so gehört es sich auch, richtig?

Zweitens, was soll der Spruch uns sagen? Doch auch, dass es ganz normal und damit vollkommen in Ordnung ist, wenn der Mann die Füße hoch legt und die Frau den Haushalt allein macht.

Es gibt aber kein Kloputz-Gen. Es gibt auch kein Kümmer-Gen und kein Sorge-Gen. Männer können putzen, sich kümmern und sorgen. Sie machen es nur (viel zu) oft nicht. Ja, auch weil in Baumärkten Putzeimer stehen, auf denen zu lesen ist, dass es schon okay ist, wenn sie es unterlassen. Jedenfalls dann, wenn sie sich in einer Partnerschaft sind. Weil sie schon als kleine Jungs weniger zu Haushaltstätigkeiten und Fürsorge herangezogen werden als kleine Mädchen. 

Care-Arbeit ist aber keine „Frauensache“ und es gibt keinen validen Grund dafür, dass der Prinz nicht aus dem Quark kommt. Thronfolge hin oder her, das Klo muss sauber werden! Mehr zur gerechten Aufteilung von Care-Arbeit gibt es hier bei der Equal Care Day-Initiative (ein Projekt von klische*esc e. V.)

Wie seht ihr das, OBI? „Ist doch nur lustig gemeint?“ – Kennen wir, danke für nichts. Denn auch als HoHo-Witz verpackter Sexismus bleibt Sexismus. Hier ist euer wiederholter Wink mit dem Zaunpfahl, viele Grüße nach Wermelskirchen und vielen Dank an R. Martin für diese Einreichung.

(jl)

Begründung der Jury

Der Obi-Putzeimer gehört aussortiert, und zwar sofort. Denn er reproduziert auf plumpe und stereotypische Art und Weise ein Männlichkeitsbild, wonach Care-Arbeit ganz natürlich Aufgabe von Frauen sei und Männer z.B. im Haushalt nichts tun müssen. Die Partnerinnen sollen sich hingegen damit abfinden , wenn der Mann nichts tut. Aber es muss unbedingt was getan werden, nämlich Obi von der Produktion und dem Verkauf solcher Eimer abzuhalten.
(Anil)

„Wenn schon, denn schon“, hatte sich der Baumarktriese hier wohl gedacht: Wenn Frauen schon weiterhin den Großteil der unbezahlten Hausarbeit übernehmen, dann setzen wir dem ganzen doch noch ein Krönchen auf. Ein pinkes natürlich, denn sowas lieben Frauen ja bekanntlich. Dass dies nicht das einzige dümmlich-diskriminierende Produkt aus dem Hause Obi war, hat unsere Entscheidung nur noch leichter gemacht: Zwar kaufen Frauen dort genauso oft wie Männer. Trotzdem scheint sich unter den Verantwortlichen der Mythos zu halten, Baumärkte seien eine Art rückständiges Chauvihausen: Der Mann weiß, wo der Hammer hängt  – die Frau macht hinterher alles wieder sauber. Und wird dafür zu Putz-Prinzessin geadelt. Danke, wir verzichten auf diesen Titel.“
(Eva-Maria Lemke)

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