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Ab sofort stylisch auf dem Bau! Jetzt können sich Frauen auf der Baustelle endlich modisch entfalten.

In seinem Onlineshop bietet Engelbert Strauss einen Baustellen-Rock für „Worker Ladies“ an.

eine Frau frontal vor einem Hubschrauber Die Frau ist gekleidet mit einem grauen Polohemd, einem dunkelgrauen Baustellenrock, einer schwarzen Feinstrumpfhose und Turnschuhen.
Foto: (c) Strauss Deutschland GmbH & Co. KG, Screenshot: klische*esc e.V., https://www.strauss.com/de/de/Rechtliches/Impressum

Dank immer noch vorherrschender Geschlechterklischees haben es Frauen in der Baubranche sowieso schwer. Im Jahr 2024 waren nur elf Prozent der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe weiblich (Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V., 2025).

Engelbert Strauss verkauft seit einiger Zeit Arbeitskleidung, die speziell auf Frauenkörper zugeschnitten ist. Doch Strauss musste noch eins draufsetzen, indem die Marke seit kurzem den Rock „e.s.motion ten“ für Damen anbietet. In der Produktbeschreibung fallen Begriffe wie “ladylike”, “cool”, “lässig” und “stylisch”. Alles Attribute, die man sich bei Arbeitskleidung wünscht – nicht. Das Produkt, das analog für Männer angeboten wird (natürlich eine Hose), wird als “cool”, “funktionell” und “vielseitig” beschrieben. Beide Produkte sind also cool, für Frauen zählt aber eher das Aussehen, wohingegen für Männer die Funktion wichtiger ist. Dabei fragen wir uns: Haben Frauen wirklich andere Ansprüche an Arbeitskleidung als Männer?

Es wird außerdem mit vielen Taschen und einem kleinen Schlitz auf der Rückseite für mehr Beinfreiheit geworben. Für kleine Heimwerker:innen-Projekte bestimmt toll, für das Berufsleben aber ganz und gar nicht geeignet. Wer schon mal auf einer Baustelle unterwegs war, weiß, dass man sich häufig bücken oder mal auf eine Leiter steigen muss. Folglich sieht also jede*r die Unterwäsche, denn leider ist bei diesem Rock keine Hose eingenäht – das wäre dann wohl zu funktionell gewesen für die weibliche Zielgruppe. Alternativ trägt man, wie auf dem Werbebild abgebildet, eine Strumpfhose. Erfahrungsgemäß hätte diese aber innerhalb von fünf Minuten mindestens zwei Laufmaschen oder gar Löcher. Insgesamt ist der Rock mehr unpraktisches Accessoire als nützliches Kleidungsstück. Liebes Team von Engelbert Strauss: Niemand hat etwas gegen einigermaßen schöne Arbeitskleidung, aber dieser Schuss ging wirklich nach hinten los. Wenn ihr euch wirklich für Frauen auf dem Bau stark machen wollt, dann bitte mit Fairplay in Sachen Funktionalität statt Geschlechterklischees.

Das ist gruselig, denn:

  • Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
  • Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
  • Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
  • Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
  • Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
  • Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
  • Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
  • Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
  • Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
  • Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Biebergemünd, und ein herzlicher Dank für die Einreichung an unsere Community.

(IK)

 

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