Unter der Marke Flik Flak vertreibt das Unternehmen The Swatch Group (Deutschland) GmbH Uhren für Kinder – ähm oder besser gesagt für Mädchen und Jungen. Auch hier wird dank der Farben sehr deutlich, welche Uhren für welches (binäre) Geschlecht gedacht sind. Für Mädchen gibt es Uhren in lila und pink, für Jungs in blau und grün.
In den Produktbeschreibungen steht zwar „Kinderuhr”, allerdings wird durch die Produktfotos die Zielgruppe der jeweiligen Uhr deutlich.
Manch einer könnte sagen: „Aber da steht doch gar nicht, dass das eine eine Mädchenuhr und das andere eine Jungsuhr ist. Das Kind kann sich die Farbe doch aussuchen.” Kinder wie Erwachsene werden – auch unbewusst – durch solche Produktfotos beeinflusst. Die indirekte Geschlechterzuordnung wird hier sehr deutlich. Ist die Wahl dann wirklich so frei, nur weil das Wort „Mädchen” oder „Junge” fehlt?
Scrollt man weiter durch die Vielzahl an Produktfotos, fällt außerdem auf, dass Mädchen häufig mit Plüschtieren und Blumen spielen oder etwas malen, wohingegen Jungs mit Holzwerkzeug, Skateboard und Co. abgebildet sind. Dadurch werden zusätzlich zu den Farben geschlechtsspezifische Stereotype reproduziert.
Nicht nur die Farbgestaltung der Uhren, sondern auch die Preisgestaltung hat einen faden Beigeschmack. Es kommt sofort die Frage auf, wie der Preisaufschlag von ca. 23 Prozent (44 Euro vs. 54 Euro) bei der „Mädchenuhr” zustande kommt. Nach einem Blick in die Produktspezifikationen lautet die Lösung: Pink-Tax.
Denn das Einzige, was sich bei den beiden Uhren unterscheidet, ist die Farbe.
Liebe Swatch Group, mit euren Kinderuhren seid ihr direkt drei mal in die Falle getappt: Geschlechterzuordnung durch Farben, stereotype Darstellung der Kinder und Pink-Tax.
Wir empfehlen: Uhren in unterschiedlichen Farben für alle Kinder zum gleichen Preis.
Das ist gruselig, denn:
Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.
Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Eschborn und ein herzlicher Dank für die Einreichung an unsere Community.
(IK)