Sanofi verkauft seine krampflindernden Tabletten Buscopan Plus neuerdings auch in stechend pink. Willkommen in der Rosa-Hellgrün-Falle! Leider ist offenbar gegen Gendermarketing noch kein Kraut gewachsen.
Der Inhalt in den Packungen unterscheidet sich lediglich mengenmäßig – in der grünen Packung sind 20 Tabletten enthalten, in der pinken nur halb so viele. Anfangs war der Preis pro Tablette in der pinken Packung 17 Prozent höher – #PinkTax lässt grüßen. Nach Kritik ruderte Sanofi zurück und glich den Preis pro Tablette an.
Die Buscopan Plus Pink werden gezielt für Periodenbeschwerden vermarktet. Dafür gibt es sogar einen extra Instagram-Account.
Sanofi wirbt mit der Aussage: “Entspannt gezielt deinen verkrampften Uterus” – was medizinisch gesehen übrigens Quatsch ist, da es genauso allgemein im Bauchraum wirkt wie das Buscopan Plus Classic. Es sind ja exakt die gleichen Tabletten.
Auf den Verpackungen unterscheiden sich die Hervorhebungen. Die grüne Packung verkündet fettgedruckt: “Bei Schmerzen und Krämpfen im Bauchbereich” und darunter steht ohne Hervorhebung: “& bei krampfartigen Regelschmerzen.”
Bei der pinken Packung ist hingegen der Hinweis auf die Regelschmerzen fettgedruckt und der Text darüber nicht.
Zudem sind auch die abgebildeten Silhouetten unterschiedlich: Die pinke Silhouette ist kurvig, der Oberkörper leicht abgeknickt. Die Hände verschwinden hinter dem Schriftzug, sind in die Seiten gestemmt oder liegen auf dem Bauch. Die grüne Silhouette hingegen hat die Arme lässig herunterhängen, knickt eher mit dem Bein ab und hat gerade Umrisse.
Diese oder ähnliche Posen finden sich schon öfter in unserem Gruselkabinett, denn sie sind recht typisch für Gendermarketing.
Beachtenswert ist hier auch, dass die dem männlichen Idealbild entsprechende Silhouette für die bereits bestehende “Classic”-Variante steht, während “Weiblichkeit” etwas “Abweichendes” darstellt. Auch dies ist ein schon lange verwurzeltes Prinzip, was sich nicht nur bei klassischem Gendermarketing immer wieder findet.
Wieder einmal werden also Weiblichkeit, Menstruation und Pink verknüpft. Mal abgesehen davon, dass weder alle menstruierenden Personen weiblich sind, noch alle weiblichen Personen menstruieren: Auch weibliche menstruierende Menschen brauchen keine pinken Produkte!
Und warum kleinere Packungen? Gerade die Periode wiederholt sich doch meist regelmäßig, sodass es sich lohnt, größere Packungen zu kaufen. Oder sollen vielmehr cis Männer davon abgehalten werden, die kleinere Packung zu kaufen, um einfach insgesamt mehr Tabletten zu verkaufen? #PinkGivesBoysRestriction
Wir haben Fragen.
Sanofi schreibt, dass es sich bei der pinken Packung um eine Probiergröße handeln soll, aber warum dann das Gendermarketing?
Zudem wolle Sanofi auf das Thema Periode aufmerksam machen. Das geht auch, ohne dass dafür alles pink sein muss!
Überhaupt lässt sich diskutieren, wie gelungen das “Aufmerksam-Machen” ist und inwiefern nicht einfach nur Dinge reproduziert werden wie: “Egal, wie es dir während deiner Menstruation geht: Hauptsache, du funktionierst trotzdem, gehst weiter zum Sport, entsprichst weiter dem gesellschaftlichen Ideal!” (z. B. in diesem Post oder diesem Reel). Und: “Menstruierende Teenager sind ja sooo schlecht drauf, lol! Aber zum Glück haben wir da ein ganz tolles Produkt, was die Krämpfe mindert und so die unter den Emotionen der Teenager leidenden Eltern entlastet!” (so wie in diesem Reel), oder auch: “Das Schlimmste ist, wenn dir die Periode deine Date Night versaut!” (so wie in diesem Reel).
Ehrlich gesagt, sinnvolle Aufklärung oder hilfreiches “auf ein Thema aufmerksam Machen” sieht für uns auch ein bisschen anders aus. Aber offensichtlich macht Sanofi nur für seine eigenen Zwecke (mehr verkaufen) darauf aufmerksam, auf Kosten von menstruierenden Personen – wie das eben öfter der Fall ist.
Das ist gruselig, denn:
Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.
Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Frankfurt am Main und ein herzlicher Dank für die Einreichung an Konni.
(SSS)