Rosa Muttertagstöpfe schicken Mamas zurück an den Herd

Foto: (c) Tritschler, Screenshot: @klische*esc e.V.

Damit Mama auch am Muttertag nicht vergisst was ihre Aufgaben sind, bewerben Tritschler und Le Creuset ihre limitierte “Heart-Kollektion” mit Töpfen, Auflaufformen, und weiteren Küchenutensilien. Kochen und backen in rosa Herzen!

Was könnte Mütter zwischen Burn-Out- und Armutsrisiko glücklicher machen als ein Utensil das schreit “Care ist Herzensjob und Liebesdienst” und “Papas! Finger weg davon, denn pink ist für Mädchen”?!

Auf kritische Stimmen unter ihrem Werbebeitrag bei Instagramm antwortet Tritschler, dass sie ein Haushaltswarengeschäft seien und deshalb “Themen wie Kochen und Backen […] natürlich im Vordergrund stehen”. Bei der “Planung [ihrer] Postings orientieren [sie] sich an den Geschmäckern [ihrer] Kundschaft” schreibt Tritschler weiter, genauso wie “Und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten”. Die Eigenverantwortung des Unternehmens für die Reproduktion von Stereotypen und alten Rollenbildern wird somit negiert und, wie so oft, auf die Kund*innen abgeschoben. Die angetrieben von unreflektierten sozialen Normen in die Kaufhäuser stürmen, dabei schon Muttis braves “Danke” im Ohr haben und anschließend guten Gewissens Mama weiter unbezahlt schuften lassen.

Foto: (c) Tritschler (Instagram), Screenshot: @klische*esc e.V.

Das Unternehmen erklärt weiter: “Es ist tatsächlich ein schöner Gedanke, wenn wir alle frei von Stereotypen sein könnten, Farben ganz neutral betrachtet werden und nicht kategorisiert werden würden.”
Jedoch könnten sie durch ihre “nahezu 300 Jahre langen Erfahrung” sagen, “dass sowohl Mutti, als auch Papi gerne am Herd stehen”. Warum dann keine Töpfe für Männer, damit sie am Muttertag mal zum Kochlöffel greifen und Mutti Pause hat? Warum als Unternehmen das alte Versorgermodell reproduzieren?

“Wie beim Kochen, sind die Geschmäcker bei Farben verschieden”. Am “Vatertag” gibt es dann also zumindest die blaue Backform? Wohl kaum. Und: Es sollte ihnen folglich bewusst sein, dass Pink vor gut 100 Jahren noch gar keine “Mädchenfarbe” war – es sich hier also nur um eine stereotypisierende Mode handelt.

Sehr geehrtes Unternehmen Tritschler, uns interessiert, ob Ihr erkennen könnt, dass solche Werbung ein Beitrag ist zur Vergrößerung der Gender-Care-Pay-Pension-Gaps? Denn die Fülle der Klischees gerade zu Muttertag ist ja nicht zu übersehen. Und ist das bisschen mehr Aufmerksamkeit euch das tatsächlich wert? Auch die negative?

Die Kommentare unter dem Instagram-Beitrag von Tritschler wurden zwischenzeitlich entfernt und die Kommentarfunktion gesperrt. Schade, denn die Marketing Abteilung hatte hier viel Gelegenheit zu lernen, dass sie gut daran beraten ist, mit der Zeit zu gehen. Nicht nur, weil sie Verantwortung tragen, sondern weil die Kundenwünsche womöglich deutlich fortschrittlicher sind als sie selbst.

Unsere Freispielabzeichen-Trägerinnen beweisen, dass es machbar und profitabel ist, den “schönen Gedanken”, Farben ganz neutral zu betrachten, ins Marketing Konzept zu integrieren. 😉 .

Unser #muttertagswunsch: Guckt dort ab!

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Stuttgart
und ein herzlicher Dank für die Einreichung an Anne

ngd, sa, sb

VÖ-Jahr: April 2021 – Werbung auf Insta für Muttertag (9.5.2021)