Mental Load: Mehr wert als ein „Danke“!

Kinder Pinguí verlost Reisegutscheine für ein individuelles Auszeit Wochenende für Mamas- natürlich! Diese tragen schließlich die Mental Load.

Egal ob ein entspanntes Wochenende im Luxushotel mit Wellness-Behandlung, ein aktiver Kurztrip in die Berge oder ein besonderer Städtetrip: Mit dem Reisegutschein kann sich bei jeder Mama für ihre Fürsorgearbeit bedankt werden.

Screenshot (c) Kinder, Screenshot: klische*esc e.V

Auf der Seite von Kinder liest sich Folgendes:

„Mamas sind für uns ganz besondere Herzensmenschen, weil sie immer für uns da sind, uns trösten, motivieren und zum Lachen bringen. Ist das nicht ein schöner Grund, einmal von Herzen „Danke“ zu sagen, und zwar nicht nur am Muttertag? Deshalb verlost Kinder Pinguí Auszeit-Wochenenden für alle, die ein großes Dankeschön verdient haben. Jetzt mitmachen, persönliche Dankesbotschaft erstellen und mit etwas Glück eine tolle, individuelle Auszeit für Mama gewinnen.“

Von Herzen Danke sagen, Kinder

Weiter heißt es:

Natürlich gibt es viele Menschen, die ein großes Dankeschön verdient haben. Ihr könnt also eure Dankesbotschaft auch an eine andere enge Bezugsperson richten.

Von Herzen Danke sagen, Kinder

Aha, alle anderen sind also mitgemeint, werden aber nicht genannt. Nicht mal der Papa?
Wie sollen Kinder sich dann bspw. für den Papa entscheiden, wenn sich alles in der Kampagne um die Mutter dreht? Wie sollen sie die Idee entwicklen, dass „Mutti macht’s“ auch anders geht und gehen sollte.

Mental Load ist ein reales Problem!

Im Text des Unternehmens heißt es, dass Mamas eine Auszeit verdienen „weil sie immer für uns da sind, uns trösten, motivieren und zum Lachen bringen”. Dieses „immer da sein”, fast unersätzlich sein, ist eine real existierende Last vieler Mütter und nennt sich Mental Load. Weil sie in unserem Gesellschaftssystem nicht ausreichend wertgeschätzt wird, sie noch immer von Eltern und vor allem Müttern als selbstverständlich vorausgesetzt wird, führt sie schließlich häufig zu Überlastung und/oder ökonomischer Abhängigkeit.
Angesichts der Feminisierung von Altersarmut werden sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr all zu viele Wochenenden im Luxushotel mit Wellness-Behandlung leisten können.

Die anvisierte Zielgruppe existiert also tatsächlich. Wir fragen uns jedoch:

  1. Reproduziert diese Werbung/ Gewinnspiel die Realität?
    Können sich andere Bezugspersonen angesprochen fühlen? Wird das Kind allein darauf kommen, eine männliche* Bezugsperson zu nominieren? Indem hier Kinder aufgefordert werden, ihre Mamas zu nominieren, wird klischeehaftes Verhalten gefestigt, statt gelernte Klischees zu verlernen.
  2. Wird der Aufwand und die Folge der unbezahlten Carearbeit verharmlost?
    Carearbeit ist hart und aufwändig, aber dennoch unbezahlt. Die Ausübenden leiden meist entweder unter finanzieller Benachteiligung oder Zeitarmut. Die alltägliche Mental Load ist eine Aufgabe, die im Privaten (trösten, spielen, organisieren…), ebenso wie im Beruflichen (Ausrichten der Geburtstage im Büro, Organisation von events,…) vor allem von Frauen durchgeführt wird. Ein Gewinnspiel, in dem eine „Glückliche“ von vielen, ausnahmsweise Anerkennung bekommt, die weder monetär oder regelmäßig ist, leistet keinen Beitrag zu einer strukturellen Veränderung, geschweige denn gegen die Feminisierung von Altersarmut. (Was kostet Carearbeit eigentlich? Rechne es aus: Who cares? Rechner). Vielmehr wird hier suggeriert: Ein gelegentliches muttertagsmäßiges „Danke, Mama“ sei ausreichende Kompenasation für jedes liebende Mutterherz! Gut gemeint, aber leider dennoch nicht gut.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Frankfurt an Ferrero Deutschland.

(jf)

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