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Game over für freie Entfaltung

Foto: (c) Magic Tavern, Screenshot: @klische*esc e.V.
Foto: (c) Magic Tavern, Screenshot: @klische*esc e.V.

Ob als Werbung im Instagram Feed, Handy Spiel oder im App Store, uns wird mehrmals täglich Werbung zu Make Over Spielen angezeigt.
Das Muster ist deutlich: eine Frau wird mit zerzausten Haaren, dreckiger und kaputter Kleidung, ungeschminkt und traurig dargestellt und nur ich als User kann ihr helfen, wieder glücklich zu werden, indem ich alles an ihrem Äußeren verändere bis sie einem perfekt inszenierten Schönheitsideal entspricht.
Spielende sollen sich gut fühlen, da sie helfen, ihr „Wissen“ über Schönheit anwenden und die Figur makellos gestalten können.

Tagtäglich sind wir einem patriarchal gezeichneten Frauenbild ausgesetzt, wiederkehrenden Mustern sowohl im Aussehen, als auch den Handlungen oder Aufgaben, die Frauen zugeschrieben werden. Darum finden wir im App Store auch Make Over Spiele wie:

Krankenschwester Make Over
Schwangere Mamapflege
Babysitter Spa Salon
Hochzeits Make Over
Model Make Over

Leider gibt es unzählige Spiele dieser Art. Ein paar Spielehersteller wollen wir im folgenden nennen:

Tactile Games Aps (Danish)
Lily’s Garden

Foto: (c) Tactile Games, Screenshot: @klische*esc e.V.


Der Dänische Spielemacher bietet unter anderem „Lilys Garden“ als Spiel an. Die Rahmenstory handelt von Lily, die von ihrem Freund betrogen wurde und daraufhin mit ihrem Baby in ein geerbtes Haus zieht und dieses erneuert, indem die Spielenden Minigames gewinnen. Nebenher flirtet sie zudem mit dem gutaussehenden Nachbarn und möchte sein Herz gewinnen. Es werden hier Rollenklischees verstärkt und die „alles schaffende Powerfrau“ wird für Spielende als Vorbild inszeniert. Dadurch wird vermittelt, dass die Frau einerseits alles alleine schafft, andererseits aber erst wieder vollständig ist, wenn ein “Neuer” an ihre Seite tritt. Der Kindsvater derweil muss keine Verantwortung übernehmen. Sicher ein realitätsnaher Blick in das Leben zigtausender alleinerziehdner Mütter. Aber gerade deshalb das letzte, was hier vermittelt werden sollte.

Magic Tavern Inc.
Magic Tavern

Foto: (c) Magic Tavern, Screenshot: @klische*esc e.V.

Project Make Over ist der Inbegriff der Styling Spiele. „Verpasse hilflosen Kunden ein Umstyling und gib ihnen das Selbstvertrauen ihren Träumen zu folgen“ heißt es in der Spielbeschreibung. Hier wird abermals der Fokus auf ein äußeres Idealbild gelegt ohne welches man angeblich kein Selbstvertrauen hätte. Der Gedanke diesem Schönheitsbild entsprechen zu müssen, um seine Träume erfüllen zu können, wird den Spielenden eingetrichtert und sorgt dafür, dass das eigene Aussehen hinterfragt wird. Es wird das Gefühl geweckt, dass man nicht ok ist, so wie man aussieht.

Pocket Princess (All Games — Pocket Princess)

Foto: (c) Pocket Princess Inc, Screenshot: @klische*esc e.V.


Pocket Princess richtet sich gezielt an Schulkinder (Mädchen!) mit dem Spiel „School Girl Kids Spa Salon“ und vermittelt schon den Kleinsten, dass vor allem die äußeren Werte zählen und stört damit die Entwicklung des kindlichen Selbstwertgefühls.

Foto: (c) Mommy & Me, Screenshot: @klische*esc e.V.

Mommy & Me, setzt der Absurdität nochmal die Krone auf. Mit einem “Krankenschwester & Neugeborenes – Krankenhaus”- Make Over.Hier soll die Krankenschwester (natürlich keine Ärztin) geschminkt und angekleidet werden und sich dann um die Babys auf der Neugeborenenstation kümmern. Der Spruch in der Spielbeschreibung: Just because you take care of babys doesn‘t mean you can‘t look great doing it“ (Übersetzung: Nur, weil du Babys versorgst, bedeutet das nicht, dass du dabei nicht großartig aussehen kannst.) Wertet die Fürsorgearbeit ab, impliziert, dass man nur großartig aussieht, wenn man sich einem „Make Over“ unterzieht und vermittelt zudem den Anspruch, dass Frauen immer und auch als Fürsorgende perfekt gestylt aufzutreten haben. Wir fragen uns, wie all die Fachkräfte, in den unterbesetzten Kreißsälen und Wochenstationen machtlos um das Wohlbefinden von Müttern und Kindern kämpfen, dieses Spiel wohl finden?

Die Spiele sind freigegeben ab 4 Jahren und die Zielgruppe sind eindeutig Mädchen und Frauen. Unterbewusst prägen sich die abgebildeten Schönheitsideale und Berufsfelder ein und sorgen in der realen Welt dafür, dass schon im jungen Alter der Druck von außen wirkt, einem bestimmten Erscheinungsbild und Lebensentwurf zu entsprechen. Eindeutig Game Over für freie Entfaltung.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht an die oben genannten Unternehmen.

(tl)

E:08/2021

Schlagwörter:

Ich will mithelfen, dass der Goldene Zaunpfahl 2025 stattfinden kann

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