Conni und die Stereotype

Connis Familie erregt mal wieder unsere Aufmerksamkeit. Erst im vergangenen Jahr haben wir den Carlsen Verlag für den Goldenen Zaunpfahl nominiert, weil die Geschichten um Connis kleinen Bruder Jakob als Pendant zu Connis Geschichten nochmal extra für die Bedürfnisse kleiner Jungen sein sollen (Bücher für die Bedürfnisse kleiner Jungen).

Dieses Mal ist es die Rollenverteilung zwischen Mama und Papa zu Zeiten der Pandemie, die deutlich macht: beim Carlsen Verlag wird nach wie vor auf alte Stereotype gesetzt.

Foto: (c) carlsen, Screenshot: @klische*esc e.V
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Während Papa – als kluger, wissenschaftlich affiner Mann – seiner Tochter das Virus erklärt, ist Mama – die feinfühlige, hauswirtschaftlich begabte Frau – für das Trösten von Conni und das Nähen von Masken verantwortlich.

Foto: (c) carlsen, Screenshot: @klische*esc e.V
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Die Bücher reproduzieren leider immer wieder die konservative, heteronormative Vorstadtfamilie – die nicht annähernd die tatsächliche Vielfalt von kindlichen Lebensrealitäten wiederspiegelt. Mit Geschichten wie „Conni hilft Mama“, in der Conni Haushaltstätigkeiten für ihre Mama erledigt, weil diese sich verletzt hat oder „Conni hilft Papa“ in welcher Conni ihrem Papa bei der Gartenarbeit hilft, sie gemeinsam einen Grill aufbauen und ein Fahrrad flicken, weil Mama übers Wochenende ausnahmsweise unterwegs ist, werden alte Rollenbilder gefestigt und Charakterzüge sowie Verhaltensweisen jeweils einem Geschlecht zugeordnet.

Conni vermittelt veraltetes Weltbild an die Jüngsten

Die kleinen Leser*innen ordnen den Elternrollen durch die Conni-Geschichten feste Eigenschaften zu, die einem veralteten Weltbild entsprechen, und beziehen diese Eigenschaften auch auf sich. Conni erweist sich allzu oft als Vorbild für alle, die nichts an bestehenden Geschlechterhierarchien verändern möchten.

Wir wünschen uns eine Conni, die genderneutral aufwachsen kann und Eltern, die bezahlte und unbezahlte Arbeit gleichwertig aufteilen! Wir wünschen uns mehr Kinderbuch-Role-Models für Equal Care.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Hamburg an den Carlsen Verlag,
und ein herzlicher Dank für die Einreichung und in die Anaylse im Twitter-Thread an Stefan @stefansasse

(tl)

VÖ 2020