Männer-Zollstöcke braucht das Land?

„Rollenbilder aus den 50ern, Kasse 2 bitte!“ Klischees in Baumärkten muss man generell nicht lange suchen, aber diese Zollstöcke der Firma Neo-Design – hier gesehen im Obi Berlin-Waidmannslust – sind besondere Prachtexemplare. 

Zollstöcke mit sexisitischen Aufschriften im Verkaufsregal
Foto: Klische*esc e. V.

Nicht nur das Modell „Meiner ist 2 Meter lang“ (ausverkauft), auch die Auswahl der aufgedruckten Namen lässt tief blicken: Urdeutsche Männernamen, die in den 50ern und 60ern beliebt waren, sind im Angebot: wie Bernd, Günther und Hartmut. Dabei leben in Waidmannslust 51% Frauen. Und 35% der Einwohner:innen von Berlin haben einen Migrationshintergrund. Was ist also zum Beispiel mit Annette, Mohamed, Fatima, Serkan, Birgit und Cengiz? Mögen die keine personalisierten Zollstöcke? Oder brauchen sie keine? Jede vorstellbare Antwort, die nicht „doch“ lautet, tut weh. 

Werbetext für Zollstock als "ideales Männergeschenk"
Foto: (c) Neo-Design / Screenshot Klische*esc e. V.

Lustig gemeint mag es sein, aber diskriminierend und sexistisch ist dieses sogenannte „Herrengeschenk“ dennoch. Das gilt auch für die Taschenmesser-Kollektion, die ebenfalls nur mit urdeutschen Männernamen erhältlich ist. 

Taschenmesser mit Aufdruck "Tobias" und "Christian"
Text "ausgewählte Männernamen"
Fotos: (c) Neo-Design / Screenshots Klische*esc e. V. 

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht hiermit nach Salz zu der Firma Neo-Design, wie auch an die Obi Group Holding in Wermelskirchen.

(jl)