Klischees lernen im Deutschunterricht

Foto: klische*esc e.V.
Foto: klische*esc e.V.

Der Westermann-Verlag hat in seiner Neuauflage des Klartext-Deutschbuches für die Klassenstufe zehn den Eigenschaften von Männern und Frauen ein ganzes Kapitel gewidmet. Die Titelseite zeigt den blauen Planeten der Männer mit grillendem Urzeitmensch, Fußball, Autos, und Werkzeug neben dem pinken Frauenplaneten, mit Einhorn, Handtaschen, Bügeleisen, Schönheitsaccessoires und einer Barbie-ähnlichen weiblich zu lesenden Person. Den Schüler*Innen werden dann Aufgaben gestellt, wodurch sie typische Verhaltensweisen der Geschlechter erarbeiten sollen. Die Zielvorgabe ist bei diesem Titelbild ja schon klar.

Foto: klische*esc e.V.

In einer Lernbox erfahren die Heranwachsenden dann was angeblich typisch weibliches und was typisch männliches Sprechverhalten ist. Dass es sich dabei um antrainiertes Verhalten handelt, wird nicht erwähnt. Eine weitere Aufgabe ist einen Text aus Mario Barths Komedyauftritten über seine Freundin zu analysieren. Dabei macht er sich über Frauen im Allgemeinen lustig, da diese ja angeblich für Handtaschen alles tun würden.

Foto: klische*esc e.V.

Was dieser Text in einem Deutschbuch verloren hat, fragt sich auch Twitternutzer und Lehrer ‘Stefan’: “An dem geistig umnachteten Tag, da ich meine S*uS unkritisch Mario Barth als epischen Text analysieren und wichtige Aspekte herausarbeiten lasse, möge man bitte mein Staatsexamen schreddern.” Uns bleibt nur die Hoffnung, dass Lehrer*innen sich nach diesem Vorbild kritisch mit den Themen auseinandersetzen und den SchülerInnen nicht jede geistige Entgleisung der Verlage einfach vorsetzen.
Ob der Westermann Verlag darauf auch baut?

Eine Diskussion der stereotypen Rollen und am Ende ein Aufbrechen derselben muss das Lernziel sein, nicht das verfestigen von Vorurteilen und Zuschreibungen, weshalb Kinder und generell Menschen ausgegrenzt werden.

Ein Wink mit dem Goldenen Zaunpfahl geht an den Westermann-Verlag nach Braunschweig.

(ngd)

E: 03/2020