Kritik am rosa Überraschungsei bekommt Ferrero seit der Einführung 2012.
Seither gibt es das Ü-Ei in einer zweiten Version, „Extra für Mädchen“ erklären die Aufsteller neben der Kasse in den Supermärkten, rosa Blümchen kennzeichnen die Eier selbst. Bei der ersten Verleihung des Goldenen Zaunpfahls 2017 war das Ü-Ei deshalb unter den fünf Nominierten. Seither wird es immer wieder eingereicht, weil es vielen noch gar nicht aufgefallen ist, sie zum ersten Mal darüber stoßen, dass es ein „normales“ und eins „für die anderen“ gibt. Für viele ist es der Gipfel und das Paradebeispiel des Gendermarketing. Dieses Jahr nehmen wir die getrennten Eier erneut mit auf, den Grund liefert das kinder Überraschung Facebook-Team, denn …
Foto Ferrero, kinderüberraschung.de / Screenshot @ klische*esc e.V.
Auf Facebook durfte man 2018 erfahren, dass Ferrero die Eier „vor einigen Jahren“ zwar nach Geschlecht getrennt hätte, aber jetzt seien beide Versionen doch für alle da, „wir haben gemerkt, dass diese Unterscheidung nicht mehr zeitgemäß ist“.
Kommentar von kinder Überraschung auf Facebook, August 2018 / Screenshot @ klische*esc e.V.
Und auch im November 2018 wurde die Kritik am gegenderten Ei erneut zurückgewiesen: „gegendert wird bei uns nicht“ schreibt das kinder Überraschungs-Team:
Facebook Kommentar im November 2018, Screenshot @ klische*esc e.V.
Da wollten wir schon feiern, hatten uns gefreut, dass Ferrero auf Geschlechtertrennung uns klischeehafte Zuschreibungen verzichtet. Doch jetzt steht Ostern 2019 an, und die Eier sehen so aus:
Foto (c) klische*esc e.V.
Deshalb fragen uns inzwischen, wie hoch der Überraschungsanteil in der Abteilung Interne Kommunikation bei ferrero eigentlich ist? „Für Jungs!“ mit Ausrufezeichen, „für Mädchen!“ mit pinkem Hasen. Irgendeine Erklärung wird das Team bestimmt bereithalten, aber solange es zwei Versionen mit blauem und rosa Label gibt und sich Ei und Aussagen widersprechen, interessiert die uns nicht mehr so wirklich.
Das ist gruselig, denn:
Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.
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