(Alb-) Traumhafter Badespaß

Der Drogeriemarkt Rossmann bietet auf seiner Webseite mit Fotos personalisierbare Produkte an, von Badeschaumflaschen, über Fototaschen für Kinder bis hin zu Tassen.

Foto: © Rossmann, Screenshot: @klische*esc e.V

Doch dabei tappt Rossmann auch ganz tief in veraltete und binäre Rosa-Blau-Klischees. Bei dem Badeschaum werden Mädchen als zarte, rosa Prinzessinnen dargestellt und Jungs als abenteuerlustige Piraten. Damit die Klischeeschubladen auch deutlich werden, und auch jedes Kind weiß, wo es sich einzuordnen hat, heißt es in der Produktbeschreibung: „Unser Tipp: Zaubern Sie kleinen Prinzessinnen Schaumkrönchen herbei oder lassen Sie mutige Piraten mit dem Schaummonster kämpfen.“

Leider führt sich dieses Denken auch in anderen Produkten fort. So wird ein rotes Federmäppchen mit dem Aufdruck „Heute bin ich mal Prinzessin“ beworben. Zu sehen ist ein als Mädchen zu lesendes Kind. Das Täschchen, das u. a. auch als Kosmetiktasche verwendet werden kann, macht die Farbaufteilung ebenfalls in der Beschreibung sehr deutlich: „Im klassischen Schwarz für Männer und knalligem Rot für Frauen…“.

Foto: © Rossmann, Screenshot: @klische*esc e.V

Der Aufdruck auf einer Art Campingtasse zeigt mit dem Aufdruck „Das Abenteuer ruft“ ein als Jungen zu lesendes Kind. Eine Kindergartentasche gibt es in den Farboptionen Rosa und Blau – die Fotos in der Ansicht zeigen bei Rosa ein Mädchen, bei Blau einen Jungen.

Foto: © Rossmann, Screenshot: @klische*esc e.V

Klischees statt Individualität

Zwar kann jede*r Kund*in rein theoretisch die Fotos selbst auswählen, jedoch zementieren vorhanden Grundfarben, wie eben die rosa und blaue Tasche sowie die ausgewählten Ansichtsbilder das uralte Prinzessin-Rosa-Mädchen- und Abenteurer-Blau-Jungs-Klischee. Kinder werden so in ihrer freien Entwicklung behindert, indem ihnen vorgefertigte Rollenbilder präsentiert werden. Die schreiben ihnen meist auch spezifische Eigenschaften zu: Mädchen sind hübsch, nett und süß, Jungs sind abenteuerlustig und mutig. Dies lässt den Kindern in der Folge kaum Raum, sich selbst zu erkunden, ihr eigene Stärken und Eigenschaften individuell auszubilden, und es verfestigt die Annahme, dass es nur zwei Geschlechter gäbe. Und viel zu oft – oder eigentlich konsequenterweise, leider – übertragen sich diese Klischees bis ins Erwachsenenalter, wo die Taschen dann beispielsweise Rot und Schwarz sind.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht daher an Rossmann nach Burgwedel bei Hannover und ein herzlicher Dank für die Einreichung an Kerstin aus Seligenstadt.

(as)

Einreichungsmonat + -jahr: 03/2021