Unverpacktes Obst auf nackter Haut

Der Discounter Netto bietet sein Obst und Gemüse der Umwelt zuliebe nun unverpackt an. Wunderbar!
Leider bewirbt das Unternehmen dies mit sehr viel nackter weiblicher (und verhältnismäßig wenig nackter männlicher) Haut.

Foto (c) klische*esc e.V., am Rande interessiert uns, warum die Frau keinen Bauchnabel hat. Wurde ihr der Po und Rücken an den Oberkörper gephotoshoppt?! Wie es dazu wohl kam?

Häufigstes Argument in der Diskussion darum, ob dieses Plakat sexistisch sei oder nicht: „Es gibt das Motiv auch mit einem Mann“. Immerhin, okay, es gibt ein Plakat mit einem männlichen Modell, das sich einen Kopfsalat vor sein „Unverpackt“ hält. Aber ist es zu spitzfindig, wenn wir meinen, dass es statt dem Salat eine Gurke sein müsste, wenn sie sich mit Tomaten, Paprika oder Äpfeln versteckt? Und müssen wir dankbar sein, dass es kein Motiv mit Melonen gibt?

Foto (c) Netto Marken-Discount, Screenshot: klische*esc e.V.
Foto (c) Netto Marken-Discount, Screenshot: klische*esc e.V.

Was bleibt: Die Plakate werden nicht paarweise aufgestellt. Es gibt zwei Motive mit Frauen, eins mit Mann. Wir wissen nichts über die Druckauflage für die Außenwerbung, aber da uns das Salatmann-Motiv in freier Wildbahn nie begegnet ist, die Frauen-Plakate dafür mehrfach, liegt der Verdacht nahe, der Salat könnte ein Nebenprodukt sein, als Friedensfähnchen in der Not für den einkalkulierten Shitstorm.
Ein schwaches Fähnchen – gerade auch, wenn man bedenkt, dass sich die Kampagne vor allem über die sozialen Netzwerke verbreitet: Auch hier hätte eine paarweise Abbildung von Mann und Frau dafür sorgen können, dass die Varianten mit den weiblichen Models nicht häufiger geteilt werden als die mit dem männlichen.

Wäre es nicht insgesamt einfach weniger sexistisch, weder „sie“ noch „ihn“ auszuziehen, um mit der nackten Haut die Verkaufszahlen zu erhöhen?

Kritik an der Kampagne findet sich an mehreren Stellen (z.B. hier oder hier). Bislang reagiert Netto darauf uneinsichtig und meint die Werbung sei „humorvoll“ und hätte „Witz“.

Wir sind gespannt, ob auch der Deutsche Werberat es so gelassen sieht. Denn laut der Neuen Westfälischen befasst sich dieser „mit der Netto-Kampagne. Rund 100 Beschwerden liegen seit Freitag, 11. Oktober vor. „Wir haben das Unternehmen am Montag zu einer Stellungnahme aufgefordert“, erläutert Sprecherin Katharina Jahn-Günther. Das Unternehmen habe nun eine Woche Zeit, sich angesichts der Beschwerden zu äußern.“

Schon jetzt verdient sich Netto mit dieser Kampagne jedenfalls unsere Nominierung für den Goldenen Zaunpfahl 2020.

Netto Marken-Discount AG & Co. KG, Deutschland

(sb)

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