Niedliches Haustier trifft auf hungriges Wildtier

Wildtier und Haustier, hungrig und niedlich, Jungen und Mädchen… Jäger und Beute? Absurde Zuordnungen von Tieren zu Kindern in der aktuellen myToys.de-Kollektion. Eine besonders drastische Version der Geschlechtertrennung:.

Foto © myToys.de, Screenshot @ klische*esc e.V.

Jungen sind (mal wieder) nicht zu zähmen – KlischeeOlé

Mit der Frage nach den Lieblingstieren der Kinder kommt dieser Facebook-Werbepost unschuldig daher, die Fotos darunter sind es nicht. Das rosa T-shirt mit Welpenmotiv und der Aussage „I feel cute“ wird offenbar von einem Mädchen getragen, zwar ist hier das Krokodilgegenstück mit der Aufschrift „I’m hungry“ weiß und nicht etwa blau, freudlicherweise weist myToys aber noch einmal gesondert darauf hin, dass es „für Jungen“ gedacht ist. Darüber die Überschriften „Haustier“ bzw. „Wildtier“. Klar, auf den Shirts sind jene jeweils abgebildet, diese Überschriften sagen dennoch sehr viel mehr aus.

Jungen sind (mal wieder) nicht zu zähmen, Wildheit liegt in ihrer Natur, sie haben Hunger, denn es das ist klar – sie müssen groß und stark werden, hart arbeiten etc… Mädchen haben sich dagegen zurückzuhalten, niedliches Auftreten und hübsches Aussehen sind wichtiger. So gezähmt sind sie zuhause am sichersten, außerdem wird sie dort in wenigen Jahren sowieso den Großteil ihrer Zeit verbringen, mit Kochen, Bügeln, Kindererziehung während ihr Liebster… auf der Pirsch ist?

Soweit alles schon im Übermaß gesehen, wahrhaft gruselig wird es, wenn der Jagdinstinkt ins Spiel kommt. Das niedliche Haustier ist natürlich die perfekte Beute eines – betont hungrigen – Wildtieres… Besonders im Zeitalter von MeToo ist die geschlechterbetonte Darstellung von Prädator und Opfer ein No Go. Diese übergriffige Konnotation darf einfach nicht ignoriert werden – vor allem, wenn es um Kinder geht. Das ist mit einem einem Produktbild wie diesem hier ganz offenbar geschehen:

Foto © myToys.de, Screenshot @ klische*esc e.V.

Der Seitenblick dieses Kindermodels in Verbindung mit dem „I’m hungry“-Shirt und der reinen Dekofunktion von zwei Mädchenhälften … Zu viel!

Uns bleibt, myToys.de mehr Sensibilität ans Herz zu legen – ein Wink mit Zaunpfahl geht nach Berlin.

(jg)

Begründung der Jury

„Hund & Katze? Oder lieber wilder Löwe, Krokodil & Flamingo? Was sind die Lieblingstiere eurer Kids?“ Der Facebookpost von MyToys beginnt eigentlich ganz harmlos. Doch die Bilder darunter sind es nicht. Das Mädchen trägt ein pinkes T-Shirt mit der Aufschrift „I feel cute“ und einem braven Welpen, und der gleichaltrige Junge das noch extra mit „für Jungs“ gekennzeichnete Gegenstück mit einem Krokodil und der Aufschrift „I’m hungry“. 
Die Überschriften „Haustier“ und „Raubtier“ sind leider auch nicht zu übersehen. Ebenso wenig, wie die Aussage dahinter: Jungs sind wild und ungezähmt und immer hungrig (klar, sie müssen ja auch viel essen, damit sie später groß und stark werden) und Mädchen ruhig, brav und süß.  –  Soweit, so schlimm.  – Getoppt wird das Ganze dann aber noch durch Foto Nr. 3. Der Junge mit dem Krokodil-Shirt steht in der Mitte, die Mädchen links und rechts sind in ihrem geblümten Kleid und herzigen Oberteil nicht mehr als ein hübsches Beiwerk – und potentielle (Fress-) opfer. Das verrät zumindest der Seitenblick des Jungen auf eines der Mädchen. Besonders im Zeitalter von MeToo ist die geschlechterbetonte Darstellung von Prädator und Opfer ein No Go. Zumal es hier um Kinder geht…! Mit dieser Aktion hat sich die Firma MyToys aus Sicht der Jury gleich in mehrfacher Hinsicht einen goldenen Zaunpfahl verdient! 
(Mirai Mens)