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Mädchen müssen unbedingt als rosa Prinzessin Schleife binden üben

Der Arena Verlag bietet online zwei Bücher an, mit denen Kleinkinder das Öffnen und Schließen von Reißverschlüssen, Knöpfen usw. üben können.
Die „Übungen“ in beiden Büchern sind gleich, doch sind die Titel sehr unterschiedlich gestaltet. Der Titel „Auf und zu, das kann ich schon!“ ist vorwiegend in blau gestaltet, die Hauptperson ist ein Junge, der Reißverschluss, Schleifen, Klettverschluss usw öffnen und schließen übt.
Der Junge hat seine Alltagskleidung an, wie Cap, Rucksack, Schuhe, Jacke usw.


Wenn etwas geöffnet wurde, ist jedes Mal der Spruch „Schau mal an, was ich schon kann“ zu lesen.
Doch bei dem Buch in rosa „Auf und zu, das ist ganz leicht“ ist natürlich ein Mädchen die Hauptperson, in Kostümen als Prinzessin, Fee und Ballerina verkleidet. Sie hat genau die gleichen Aufgaben wie der Junge zu meistern, doch hier ist der Text „Auf und zu, geht schon allein“ auf jeder Seite zu lesen.
Bei dem Jungen ist es eine Leistung, wenn er etwas gelernt hat. (Was ich schon KANN), bei dem Mädchen dagegen geht es scheinbar „von allein“ und ist laut Titel „ganz leicht“, also ist es keine Leistung, es zu lernen.

Es werden ganz klassisch die typischen Jungs/Mädchen Farbklischees bedient.
Alle Mädchen lieben rosa, Prinzessin und Ballett. Alle? Nein, nicht alle! Aber da es immer wieder Kinderbücher wie dieses hier gibt, wird Mädchen mit anderen Interessen signalisiert, dass sie untypisch, außerhalb der Norm sind. Warum? Und Jungen wird vorgelebt, dass sie sich nicht für rosa und Ballett zu interessieren haben. Der einzige Junge in dem rosa Buch spielt König, ein Junge in Ballettkostüm ist ja scheinbar schwer vorstellbar für den Buchverlag, der seine Kund*innen in die Rosa-Hellblau-Falle tappen lässt.

Beispielbild

Das ist gruselig, denn:

  • Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
  • Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
  • Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
  • Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
  • Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
  • Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
  • Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
  • Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
  • Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
  • Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Würzburg zum Arena Verlag und ein herzlichen Dank für die Einreichung an Nadine histolicious

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