Im Unterricht: „Schön oder Hässlich?“

Der Verlag an der Ruhr hat seit 2015 ein Buch für Lehrer*innen mit fertigen Unterrichtsstunden „Deutsch als Zweitsprache“ für 1. und 2.- Klässler*innen im Sortiment.

Eine der Stunden soll heißen „Schön oder hässlich?“. In dieser Stunde sollen Kinder üben, sich wertend zu äußern – indem sie die Kleidung anderer Kinder als schön oder hässlich bezeichnen. Und dies streng nach Geschlecht getrennt.

Foto (c) Verlag an der Ruhr/ (c) Blickinsbuch.de, Screenshot: klische*esc e.V.
Foto: klische*esc e.V.
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Es ist schon eine richtige Aufgabe, alle diskiminierenden Elemente dieser Übung vollständig zusammenzufassen:

  1. Die zu wertenden Bilder sind getrennt nach Mädchen und Jungen. Die Kinder lernen so: An Mädchen sind andere Dinge schön oder hässlich als an Jungen.
  2. Die Bilder selbst beinhalten eine Reihe von Stereotypen: Die Jungs sind ausnahmslos sportlich, mutig, erfolgreich, berufstätig, humorvoll, abendteuerlustig, cool gekleidet. Adjektive wie hübsch, brav, kokett, lieb, zierlich, niedlich, sexy kommen einem nur bei den Mädchenbildern in den Sinn.
  3. Die Aufgaben sollen in „geschlechterhomogenen“ Gruppen bearbeitet werden. Dies verschärft ein mal mehr den Eindruck unter den Kindern, dass die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen so elementar sind, dass eine Trennung nötig und selbstverständlich ist.
  4. Kinder lernen hier das Aussehen anderer Kinder zu beurteilen. Lernen, dass Kleidung einen hohen Stellenwert einnimmt und durchaus beurteilt werden darf (der Hinweis, dass deutlich gemacht werden soll, dass hier die Kleidung, nicht das Kind beurteilt wird und jeder Geschmack seine Berechtigung hat, ändert daran nichts.). Es soll am Ende ja gar eine „Hitliste der schlechtesten Kleidung“ geben. Spätestens dann sehen die Kinder, dass es einen allgemeinen Konsens hinsichtlich bestimmter „Geschmäcker“ gibt. In der anschließenden „Modeberatung“ werden die Kinder dann auch noch ermuntert zu äußern, was das beurteilte Kind ändern sollte. Dies steht leider im totalen Gegensatz zur Botschaft „Jeder darf wählen, was ihm oder ihr beliebt, lasst uns uns über die Vielfalt freuen, jeden sein, wie er oder sie ist und vor allem das Äußerliche in den Hintergrund stellen, wenn wir uns eine Person anschauen“.
  5. Am Rande: Wäre es nicht insbesondere in einem Buch „Deutsch als Zweitsprache“ wichtig gewesen ethnisch diverse Kinder abzubilden?

Der Verlag an der Ruhr unterstützt damit die Einteilung in Rosa und Hellblau. Er spielt der Gender-Marketing Industrie so fein in die Hände, anstatt die Chance zu ergreifen entgegenzuwirken. Daher unsere Nominierung für den Goldenen Zaunpfahl 2020.

Verlag an der Ruhr GmbH, Deutschland

(sb)

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