Geschenke aus dem Regenbogensack

von Anke Domscheit-Berg

Infografik mytoys
myToys-Umfrage: Eltern geben pro Kind 131 Euro für Weihnachtsgeschenke aus. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/8912 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: „obs/myToys.de GmbH“

Nach einer Umfrage aus dem Jahr 2017 gaben Eltern im Durchschnitt pro Kind 131 Euro für Weihnachtsgeschenke aus, seitdem dürfte es nicht weniger geworden sein, das Weihnachtsgeschäft ist also für Anbieter von Spielwaren und Kinderausstattung ein wichtiger Absatzmarkt. Ihre Marketingabteilungen entwickelten Wachstumsstrategien für eine zahlenmäßig stagnierende Zielgruppe und fanden einen Weg, das Wiederverwenden und Weitervererben von Spielzeug und Kleidung z.B. unter Geschwistern zu erschweren, denn das bringt keinen Umsatz – dafür braucht es möglichst viele Neukäufe. Und so schlägt das Gendermarketing wieder mit voller Wucht zu, teilt den Markt säuberlich in Jungs und Mädchen auf, und bietet von der Babyflasche bis zum Legoset Varianten in Rosaglitzer und Varianten in dunkelbunt, damit schon kleine Kinder lernen, welche der Varianten für ihr Geschlecht vorgesehen sind und so Brüderchen und Schwesterchen in zunehmend getrennten Welten aufwachsen.

Wie jedes Jahr werben die marktführenden Unternehmen mit den vermeintlichen Wünschen der Kleinen und viel zu oft legen sie den Kindern stereotype Wünsche in den Mund. Jedes Jahr läßt sich das gleiche Trauerspiel beobachten, als gäbe es einen Wettbewerb darum, wer am besten die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts in unsere Gegenwart überführen kann, zum Beispiel der Onlineshop, der für Holzspielzeug wirbt: mit Puppenstuben für Mädchen, mit Rennbahnen für die Jungen.
Kinder wollen natürlich den Erwartungen ihrer Umwelt entsprechen, wenn ihnen Medien, Kleidung oder Spielzeug tagein tagaus suggerieren, was Mädchen mögen und was nicht, was typisch Junge ist und was nicht. Dann tritt genau das ein, was man in vielen Kitagruppen sehen kann: reihenweise Mädchen, die aussehen, als wären sie in einen rosa Farbtopf gefallen. Ihre Eltern zucken mit den Schultern, erklären wortreich, dass die Kinder selbst das so wollen, rosa sei nun mal ihre Lieblingsfarbe, es sind halt Mädchen. Ich bin sicher, würden Kinder nicht in einem Umfeld aufwachsen, in dem sie von morgens bis abends mit stereotypen Genderbildern bombardiert werden, wären ihre Wunschzettel viel bunter, vielfältiger und weniger festgelegt auf bestimmte Rollen. Sie hätten schlicht mehr Freiheit, sich ihren tatsächlichen Interessen entsprechend zu entfalten. Gendermarketing macht unfrei, es presst Kinder in Schubladen und nimmt ihnen Entwicklungsmöglichkeiten, Mädchen genauso wie Jungen.

Genderneutrale Geschenke

Nun könnte man meinen, dass es sich doch nur um Spielzeug handelt und Kinder sich weiterentwickeln zu Erwachsenen, die über Rollenklischees reflektieren können. Da sei es doch egal, dass Mädchen mit Puppen groß wurden und Jungs mit Lego-Technik. Aber so werden Rollenmuster verinnerlicht und im späteren Leben auch patriarchale Machtstrukturen verfestigt. Frauen bleiben dann weiter die, denen man Empathie und Fürsorglichkeit zuschreibt, die häufig in sozialen Berufen arbeiten, wo sie schlecht bezahlt werden, in Teilzeit arbeiten, wenn sie selbst Kinder bekommen und deren Karrieren deshalb in der Sackgasse enden. Männer bleiben weiter die, bei denen man technisches Verständnis erwartet, die sich Vollzeit in den Job hängen, um einer Ernährerrolle gerecht zu werden, und die bei gleichen beruflichen Anforderungen immer noch mehr verdienen, oft weil man männlich konnotierte Berufe tariflich höher einstuft. Natürlich gibt es Heranwachsende, die darüber reflektieren können, die freier leben wollen, als es ihnen Werbung und die Konsumindustrie vorschreiben wollen. Aber in einer Gesellschaft, in der Macht ungleich verteilt ist, gibt es beim Ausscheren aus stereotypen Rollen oft Ausgrenzung und soziale Nachteile. Manche haben Glück, andere setzen sich trotzdem durch, aber warum soll nicht von vorneherein jeder Mensch nach seinem Geschmack glücklich werden können?

Wir sind so vielfältige Wesen, in der Lage, uns zu allen möglichen Persönlichkeiten zu entwickeln, in einer unfassbaren Bandbreite. Mein Wunsch an den Weihnachtsmensch wäre daher, endlich das Gendermarketing aus den Spielzeugabteilungen zu verbannen und dort nur noch Spielzeug für Kinder zu finden, und nicht Regale für Mädchen und Regale für Jungs, damit Kinder freier aufwachsenn können, ohne Grenzen, die ihnen Marketingabteilungen aus reinem Profitinteresse einreden.