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Ein Vollpfosten für Geschlechterklischees

Dieser Text könnte eigentlich mit einer Erörterung darüber anfangen, was für oder gegen einen Produktnamen spricht, der ein Schimpfwort enthält. Zugegeben, “Vollpfosten” ist noch ein Schimpfwort der weicheren Art, aber nichtsdestotrotz: Wer will schon gerne als Vollpfosten bezeichnet werden, nur weil er langsamer gesuchte Wörter aufschreiben kann?

Aber darum soll sich dieser Text nicht drehen. Denn neben dem Produktnamen gibt es noch etwas, was im Sinne der Gleichbehandlung der Geschlechter kritisch zu sehen ist. Bei dem Spiel “Stadt, Land, Vollpfosten”, das sich an dem ursprünglichen Kinderspiel “Stadt, Land, Fluss” orientiert, gibt es die Kategorie “typisch Jungs” und “typisch Mädchen”. Ich frage mich, ob die Spieleerfinder*innen sich gefragt haben, wie man Kindern am Besten klassische Geschlechterklischees und -stereotypen beibringen kann und dann diese Kategorien eingeführt haben? Denn wozu sonst sollte sie dienen? Und wer sagt, ob das Eingetragene in dieser Kategorie korrekt ist? Was passiert, wenn ein Kind in “typisch Jungs” lange Haare einträgt? Oder bei “typisch Mädchen” Fußball spielen? Ist das dann richtig oder falsch?

Schade, dass solch eine Rosa-Hellblau-Falle auch noch durch das Siegel “spiel gut” unterstützt wird. Damit gibt es zumindest von uns 0 Punkte für die Firma Pegasus Spiele.

Ein Papierblock mit einzelnen Feldern mit unterschiedlichen Kategorien zum Ausfüllen.
Ein Papierblock mit einzelnen Feldern mit unterschiedlichen Kategorien zum Ausfüllen.
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Das ist gruselig, denn:

  • Das Produkt* richtet sich nur an ein (binäres) Geschlecht: Es schließt durch seine Gestaltung – z.B. durch die Verwendung bestimmter Farben (vgl. Rosa-Hellblau-Falle), Symbole, Aufschriften – oder auf andere Weise explizit oder implizit Menschen auf Grundlage ihrer Geschlechteridentität vom Kauf oder der Nutzung aus.
  • Die Werbung / Verpackung legt den Fokus auf stereotyp zugewiesene Eigenschaften einer Zielgruppe und legt damit fest, für wen das Produkt angeblich produziert wurde.
  • Das Produkt / die Werbung reduziert Personen auf ihre klischeehaft dargestellte Geschlechtszugehörigkeit und / oder reproduziert stereotype Geschlechterrollen.
  • Es werden Unterschiede zwischen den Interessen / Vorlieben der Geschlechter betont oder konstruiert.
  • Mädchen / Frauen und Jungen / Männer werden in hierarchischer Beziehung zueinander dargestellt.
  • Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht in der Anzahl der abgebildeten (oder genannten) Frauen und Männer.
  • Das Geschlecht einer Person wird ohne Bezug zum Produkt besonders hervorgehoben und betont.
  • Das Produkt wird zwar als unisex-Produkt angeboten, enthält aber trotzdem eine implizite Geschlechtszuordnung.
  • Die Produktbeschreibung / die Werbung ist nicht geschlechtergerecht formuliert.
  • Das Produkt wird mit „Gender Pricing“ / „Pink Tax“ verkauft, d.h. die an Frauen gerichtete Version ist teurer.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl geht nach Friedberg an die Firma Pegasus Spiele und herzlichen Dank für die Einreichung.

(lp)

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