Zum Inhalt springen

„Nur lustig” oder schon sexistisch? 

Ist doch nur lustig gemeint?!

Warum ein Witz nicht vor Wirkung schützt

Von Konstanze Renken

Zwei dekorative Schilder mit der Aufschrift „Mr. Right“ und „Mrs. always Right“. Das Motiv spielt mit stereotypen Vorstellungen von Männern und Frauen in Beziehungen.
Foto: © privat / klische*esc e. V.

Dieses Argument erreicht uns öfter mal: „Ist doch nur lustig gemeint”. Und klar, das wirkt auf den ersten Blick logisch: Ist nicht ernst gemeint, da steckt keine böse Absicht hinter, das ist doch harmlos. Und es ist total verständlich, dass es nicht immer so easy ist zu unterscheiden, wann etwas ein harmloser Witz ist und ab wann es problematisch wird!

Auch harmlose Witze können alte Rollenbilder weitertragen

Das Problem ist: Auch ein vermeintlich harmloser Witz hat eine Wirkung – unabhängig von der Absicht. Wenn Klischees „mit einem Augenzwinkern“ gezeigt werden, vermitteln sie unterschwellig trotzdem die alten Rollenbilder weiter. Denn auch wenn die Absicht humorvoll ist, bleibt die Botschaft im Kopf hängen: Frauen lieben Schuhe, Männer können nicht zuhören, Frauen schlecht einparken, Männer wissen nicht mal, wie sie ihr eigenes Baby richtig anziehen usw. Eigentlich reicht es, den vermeintlichen „Witz“ umzudrehen: Wenn er dann nicht mehr funktioniert, ist er höchstwahrscheinlich problematisch.

Rosa Babybody mit der Aufschrift „Du schaffst das, PAPA!“ und Pfeilen zu Körperteilen wie Kopf, Arm, Bein und Windel. Das Motiv stellt Väter als unbeholfen in der Kinderpflege dar.
Foto: Screenshot, https://www.amazon.de/Baby-Body-Geschenk-zur-Geburt/dp/B07FC32XJH/r

Humor als Schutzmantel für Klischees

Das Ding ist, dass Humor oft wie ein „Schutzmantel“ funktioniert: Er macht Stereotype leichter verdaulich und schwieriger zu hinterfragen. Statt dass die Werbung kritisch gesehen wird, lachen viele mit – und die Klischees wirken normal oder harmlos. So werden bestehende Strukturen unbewusst stabilisiert, anstatt aufgebrochen. Die Werbung wird durch den Humor unangreifbar, so als wäre das Wissen darüber, dass es nicht ernst gemeint ist, ein Hebel, um die Wirkung auszuschalten. So funktionieren Klischees aber nicht. Sie gestalten unsere Realität immer mit, unabhängig von der Absicht.

Warum „nur Spaß“ trotzdem Erwartungen prägt

Kurz gesagt: Ob etwas „nur Spaß“ ist, hängt weniger von der Absicht als von der Wirkung ab – und gerade humorvolle Klischees haben leider oft die stärkste Wirkung, weil sie sich so sympathisch tarnen. Denn Klischees gestalten mit, welche Erwartungshaltung wir einer Person gegenüber haben – Stichwort Unconscious Bias, also die unbewusste Voreingenommenheit gegenüber anderen. Wer zum 95. Mal hört, dass Frauen nicht einparken können, nimmt das Einparkverhalten anderer irgendwann nicht mehr neutral wahr, sondern verknüpft es mit Geschlecht. Das ist besonders deshalb schwierig, weil wir in einer Gesellschaft mit Statusgefälle leben. Männer haben (insgesamt betrachtet) mehr Macht, mehr Vermögen, mehr Gestaltungsspielraum. Das führt dazu, dass Weiblichkeit Abwertung bedeutet. „Du parkst ja ein wie ne Frau“ ist keine neutrale Aussage. Und auf einmal parkt eine Frau nicht mehr nur ihr Auto, sondern trägt die Verantwortung, ihr gesamtes Geschlecht zu repräsentieren. Deswegen ist es eben nicht „nur ein Witz“.

Werbebanner einer Felgenaufbereitung mit dem Spruch „Wenn Du mal wieder, wie eine Prinzessin geparkt hast“. Der Slogan nutzt ein abwertendes Geschlechterklischee über Frauen und Autofahren.
Foto: © privat / klische*esc e. V.

Wann Humor Rollenbilder entlarvt – und wann er sie zementiert

Humor kann natürlich auch ein tolles Werkzeug sein, um mit Rollenbildern zu spielen – aber nur, wenn er sie wirklich überzeichnet, bricht oder umkehrt, also die Mechanismen sichtbar macht, statt sie zu bedienen. Was dabei eine zentrale Rolle spielt: Wer macht den Witz? Und auf wessen Kosten? Wird sich hier aus der Dominanzgesellschaft heraus über eine ohnehin schon benachteiligte Gruppe lustig gemacht? Oder setzt sich ein Mitglied einer marginalisierten Gruppe mit den entgegengebrachten Vorurteilen auf humorvolle Art auseinander? Das macht einen riesigen Unterschied: Im ersten Fall werden Klischees zementiert, im zweiten entlarvt.

Sexistische Witze erkennen: 4 Fragen für den Alltag

Also, hier noch mal zusammenfassend 4 Fragen, die ihr euch stellen könnt, wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ein Witz bzw. eine „lustige“ Werbung okay ist:

  1. Funktioniert der Witz auch umgekehrt?
  2. Wer macht den Witz?
  3. Auf wessen Kosten?
  4. Zementiert er Klischees oder entlarvt er sie?